Emotionaler Zeugenauftritt im NSU-Prozess

Der Vater des von NSU-Terroristen ermordeten Halit Yozgat hat als Zeuge vor Gericht sehr emotional geschildert, wie er seinen Sohn in dessen Internetcafé in Kassel fand. Er sei am späten Nachmittag in das Café gekommen, um seinen Sohn abzulösen, der die Abendschule besuchte.

Emotionaler Zeugenauftritt im NSU-Prozess
Andreas Gebert Emotionaler Zeugenauftritt im NSU-Prozess

Dort habe der 21-Jährige in seinem Blut hinter dem Empfangstisch gelegen. «Ich habe meinen Sohn in meine Arme genommen, aber er hat keine Antwort gegeben», rief Ismail Yozgat auf Türkisch. Er sprang im Verhandlungssaal des Oberlandesgerichtes München auf und rief immer wieder: «Er hat keine Antwort gegeben!»

Seine Frau, die bei der Aussage direkt hinter ihm saß, und sein Anwalt hatten sichtlich Mühe, den aufgebrachten Vater wieder zu beruhigen. Der Dolmetscher kam teilweise kaum mit der Übersetzung mit. Die Angeklagten verfolgten den Auftritt - wie meistens in diesem Prozess - ohne sichtbare Regung, auch als Yozgat fragte: «Mit welchem Recht haben Sie das getan?»

Halit Yozgat wurde der Anklage zufolge am 6. April 2006 von den Neonazi-Terroristen Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt erschossen. Er war das neunte und letzte Opfer der Mordserie an türkisch- und griechischstämmigen Geschäftsleuten. Beate Zschäpe ist als Mittäterin an sämtlichen Anschlägen des «Nationalsozialistischen Untergrunds» (NSU) angeklagt. Sie soll für die legale Fassade des Trios gesorgt haben.