Ende der Lemke-Ära rückt Bode in den Fokus

Willi Lemke hat das Ende seiner Ära bei Werder Bremen für 2016 angekündigt, die Suche nach einem neuen Aufsichtsratschef ist beim krisengeschüttelten Fußball-Bundesligaclub aber schon jetzt angelaufen. Marco Bode gilt in Bremen als möglicher Lemke-Nachfolger.

Ende der Lemke-Ära rückt Bode in den Fokus
Carmen Jaspersen Ende der Lemke-Ära rückt Bode in den Fokus

Der 40-malige Nationalspieler ist Mitglied im Aufsichtsrat, genießt als langjähriger Werder-Profi in der Hansestadt ein hohes Ansehen und besitzt in Günter Netzer einen prominenten und einflussreichen Fürsprecher.

Netzer, der als Executive-Direktor des Bremer Vermarktungspartners Infront eine kurzfristige Finanzspritze von Sieben-Millionen-Euro an den klammen Club mitträgt, schätzt Bode über alle Maßen. «Er ist hochintelligent, hocheloquent, ein charakterlich einwandfreier Junge» lobte Netzer am vorigen Wochenende im «Weser-Kurier» den 45 Jahre alten gebürtigen Harzer.

Unverblümt forderte Netzer die Werder-Führung auf, Bode mehr Verantwortung zu übertragen. «Er ist ein ehemaliger Nationalspieler, wird allseits geschätzt, er hat Ahnung von seinem Tun. Solche Leute gehören in maßgebliche Funktionen», erklärte Netzer. Seine Worte wurden offensichtlich verstanden und schnell umgesetzt.

Am Krisengipfel zwischen Geschäftsführung und Aufsichtsrat am Montag nahm Bode als einziges Mitglied des Kontrollgremiums neben Lemke teil. Der frühere Werder-Manager, der seit 2005 Vorsitzender des Aufsichtsratschef ist, kündigte in verklausulierter Form seinen Verzicht auf eine erneute Amtszeit an. Von einem sofortigen Rücktritt, den angeblich potenzielle Geldgeber in Bremen gefordert haben sollen, war nicht die Rede.

«Ich werde die verbleibende Zeit meiner Amtsperiode nutzen, um aktiv den Prozess einzuleiten, eine verantwortungsvolle Nachfolgeregelung für mich als Aufsichtsratsvorsitzenden zu finden», erklärte Lemke in einer Werder-Mitteilung. Zugleich deutete er seine Bereitschaft an, bei der Suche nach einem Ausweg aus der sportlichen Krise den von Clubchef Klaus-Dieter Fischer vorgeschlagenen Weg einer überschaubaren Überschuldung mittragen zu wollen.

«Ich sehe keinen Gegensatz darin, sich dabei auch über sinnvolle Modelle zu unterhalten, wenn die Risiken beherrschbar sind», sagte der 69 Jahre alte Lemke. Damit stellte der als «Sparkommissar» titulierte UN-Sonderberater offensichtlich den gewünschten Schulterschluss mit der Werder-Geschäftsführung um Fischer, Klaus Filbry und Manager Thomas Eichin her.

Bode schließt eine maßvolle Überschuldung ebenfalls nicht aus. Er weiß aber auch, dass Geld allein keinen Erfolg garantiert. Die sportliche Situation ist weiterhin bedrohlich, auch wenn der Verein mit «großer Geschlossenheit die Herausforderungen für die Zukunft» angehen will. «Ich glaube, dass ein Abstieg die größere Katastrophe ist. Es muss das erste Ziel sein, das zu verhindern», sagte Bode.