Ende mit Schrecken: Islamist Abdelhamid Abaaoud ist tot

Einer der meistgesuchten Islamisten Europas ist tot. Abdelhamid Abaaoud starb zwischen Kugelhagel und Explosionen beim Einsatz eines schwer bewaffneten Spezialkommandos in Saint-Denis bei Paris.

Damit hat der mutmaßliche Drahtzieher der verheerenden Anschläge von Paris ein ganz ähnliches Ende gefunden wie viele der Todesopfer der mutmaßlich von ihm eingefädelten Mordserie. Offensichtlich habe der Belgier eine entscheidende Rolle bei den Anschlägen von Paris gespielt, sagt Frankreichs Innenminister Bernard Cazeneuve.

Noch sind viele Fragen offen, viele Verbindungen nicht zweifelsfrei bewiesen. Doch sollten sich bisherige Erkenntnisse der französischen Behörden bestätigen, dann könnte Abaaoud auch bei anderen Anschlägen und Terrorplänen der vergangenen Monate seine Hand im Spiel gehabt haben. Wenn die Terrormiliz Islamischer Staat den Terror nach Europa tragen wollte, taucht oft sein Name auf.

Die Vorwürfe gegen Abaaoud wogen bereits vor den Anschlägen von Paris schwer. Der 28-jährige Belgier mit Kampferfahrung in Syrien stand spätestens seit Januar auf jeder Fahndungsliste. Er wurde nach einem vereitelten Terroranschlag auf Polizisten im ostbelgischen Verviers gesucht. Beim Einsatz von Spezialkräften der Polizei waren damals zwei gesuchte Terroristen ums Leben gekommen. Abaaoud, auch bekannt unter dem Pseudonym Abu Omar al-Baljiki («der Belgier»), soll Kopf der gesprengten Terrorzelle gewesen sein.

Im Sommer wurde Abaaoud wegen vorheriger Taten von einem Brüsseler Gericht in Abwesenheit zu 20 Jahren Gefängnis verurteilt. Er hatte nach Ansicht der Richter seinen kleinen Bruder Younes nach Syrien entführt, wo er sich dschihadistischen Kämpfern anschloss. Belgische Zeitungen bezeichneten den 13-Jährigen damals als «jüngsten Dschihadisten der Welt». Auf einem Foto im Internet posiert ein Junge in traditioneller Kleidung und mit Waffe, es soll sich dabei um Younes handeln.

Welche Taten Abaaoud noch zugeschrieben werden können, müssen die weiteren Ermittlungen ergeben. So steht nach Darstellung von Cazeneuve für französische Geheimdienstler fest, dass Abaaoud im April in ein vereiteltes Attentat auf Kirchen und den Mord an einer Frau verwickelt war.

Zudem habe eine Verbindung nachgewiesen werden können zwischen dem Terrorpaten und einem Dschihadisten, der bei seiner Rückkehr aus der Türkei im Juni vom Inlandsgeheimdienst vernommen wurde. Die Ermittler untersuchen noch, ob Abaaoud auch an dem vereitelten Terroranschlag im Thalys-Schnellzug zwischen Amsterdam und Paris im August beteiligt war.

Unklar ist ebenfalls, ob es eine Verbindung gibt zwischen Abaaoud und einem im Juli in Istanbul überprüften Dschihadisten, der sich mit einem gefälschten schwedischen Pass nach Prag aufmachen wollte und der einen Terrorakt geplant haben soll. Abaaouds Name fiel auch beim Verhör eines Nachwuchs-Dschihadisten im August. Der gab gegenüber dem französischen Inlandsgeheimdienst an, der belgische Islamist habe ihn ausgebildet und ihm den Auftrag zu einer Gewalttat in Frankreich oder einem anderen europäischen Land erteilt.

Sicher ist: Der Sohn eines marokkanischen Händlers war stolz auf seine Taten. In mehreren Propagandavideos der Dschihadisten ist er zu sehen. Auch ein Video ist bekannt, auf dem Abaaoud ein Auto steuert, das vier verstümmelte Leichen hinter sich herzieht.

In einem nicht verifizierbaren Interview mit dem Propaganda-Magazin «Dabik» des IS, das die britische Tageszeitung «Guardian» verbreitete, rühmte er sich seiner Pläne. Mehrere Taten habe er von Belgien aus gegen den Westen geplant, «direkt vor der Nase des belgischen Geheimdienstes». «Mein Name und mein Bild waren überall in den Nachrichten, trotzdem konnte ich in ihrem Land bleiben, Operationen gegen sie planen und ungehindert weggehen, als es nötig war.»