England geschockt: «Schlimmste Niederlage der Geschichte»

Nur 19 Minuten nach Ende des «schlimmsten Ereignisses in der englischen Fußball-Geschichte» («Mirror») vollzog Roy Hodgson den unvermeidlichen Schritt.

England geschockt: «Schlimmste Niederlage der Geschichte»
Oliver Weiken England geschockt: «Schlimmste Niederlage der Geschichte»

Mit aschfahlem Gesicht setzte sich der 68-Jährige in den kargen Presseraum des EM-Stadions von Nizza und verlas monoton sein Rücktritts-Statement. Gedemütigt vom EM-Neuling Island steht eine ganze Fußball-Nation nur zwei Jahre nach dem vermeintlichen Tiefpunkt beim WM-Vorrunden-Aus in Brasilien unter Schock. «Es ist beschämend für uns», gestand Kapitän Wayne Rooney nach dem 1:2 im EM-Achtelfinale. «Wir sind alle bitter enttäuscht, wir wissen, dass wir die Verantwortung dafür tragen.»

Am Dienstag wollte der selbsterklärte Titelkandidat noch ein letztes Mal in sein EM-Quartier in Chantilly reisen, um dann die frühe Heimreise anzutreten - dort erwarten Rooney & Co. bitterböse Schlagzeilen.

«England hat letzte Nacht aufgehört, ein Fußball-Team zu sein und ist nur noch eine Lachnummer», schrieb die «Times». «England erleidet die ultimative Demütigung durch eine beschämende Niederlage gegen den kleinsten Fisch im Turnier», titelte die «Daily Mail». «Die schlimmste Niederlage unserer Geschichte. England wird von einem Land mit mehr Vulkanen als Profi-Fußballern geschlagen», spottete der frühere Stürmer und heutige Experte Gary Lineker.

Wie schon in den Vorrunden-Partien wusste das Team von Hodgson seine Dominanz nicht zu nutzen und schied am Ende völlig verdient weil hilf-, kraft- und einfallslos aus. Die oft besungenen Jahre voller Schmerz nach dem bislang letzten Triumph bei der WM 1966 gehen weiter. Seit einem Jahrzehnt wartet England auf einen Sieg in der K.o.-Runde eines großen Turniers. Noch nie haben die Three Lions außerhalb des eigenen Landes eine Partie bei einer EM-Endrunde gewonnen, in der es ums Weiterkommen geht.

«Es tut mir leid, dass es so enden muss», erklärte Hodgson. «Jetzt ist es an der Zeit für jemand anders, den Fortschritt dieser jungen, hungrigen und extrem talentierten Gruppe zu verantworten.» Der Routinier hatte das Team kurz vor der EM 2012 übernommen, sein Vertrag lief nach dem Turnier in Frankreich aus. Der Coach hatte bereits zuvor wegen seiner zahlreichen Personalwechsel beim letzten Vorrundenspiel gegen die Slowakei (0:0) und dem verpassten Gruppensieg in der medialen Kritik gestanden.

Der englische Verband FA kündigte an, die Entscheidung von Hodgson zu unterstützen und weitere Schritte «sofort» zu diskutieren. «Wie die gesamte Nation sind wir enttäuscht über die Niederlage», hieß es in einer Stellungnahme. «Wir hatten große Hoffnung, weit in diesem Wettbewerb zu kommen und akzeptieren, dass wir weder unsere eigenen noch die Erwartungen des Landes erfüllt haben.»

Doch die Nachfolge-Optionen für Hodgson klingen keinesfalls verlockend. Gehandelt werden U21-Trainer Gareth Southgate, der ebenfalls zurückgetretene Assistent Gary Neville und die Premier-League-Trainer Alan Pardew sowie Sam Allardyce. Dass sich Arsenals Coach Arsène Wenger den Posten antut, erscheint unrealistisch.

Der frühere Kapitän Alan Shearer brachte sich kurz nach Schlusspfiff selbst ins Spiel - besitzt aber kaum Erfahrung. «Die FA muss wirklich ein Kaninchen aus dem Hut zaubern, weil es anscheinend keine offensichtlichen Kandidaten da draußen gibt», erklärte im «Telegraph» der erfahrene Trainer Harry Redknapp - der gleichzeitig selbst bereits absagte.