Entschärfung von Blindgänger legt Potsdam lahm

Unter großen Sicherheitsvorkehrungen ist in Potsdam eine 250 Kilogramm schwere Weltkriegsbombe entschärft worden. Behörden, Schulen und Kindertagesstätten in der Innenstadt blieben geschlossen - ebenso der Hauptbahnhof.

Entschärfung von Blindgänger legt Potsdam lahm
Ralf Hirschberger Entschärfung von Blindgänger legt Potsdam lahm

Züge fuhren ohne Halt durch oder wurden umgeleitet. Knapp 9000 Menschen mussten im Umkreis von anderthalb Kilometern um den Fundort der Bombe ihre Wohnungen verlassen. Nach Angaben der Stadtverwaltung dauerte die Entschärfung rund eine Stunde. Der Blindgänger amerikanischer Bauart wurde aus dem Flüsschen Nuthe gehoben und entschärft. Seit 1990 sind damit im Potsdamer Stadtgebiet 131 Fliegerbomben unschädlich gemacht worden.

«Diese Bombe war wie eine Überraschungstüte», sagte Sprengmeister Mike Schwitzke nach der Entschärfung. Er vermutet in der Nuthe weitere Blindgänger. Luftbilder der Alliierten würden daraufhindeuten. Der in der vergangenen Woche entdeckte Blindgänger mit 120 Kilogramm TNT in der Kapsel steckte knapp 30 Zentimeter im Flussboden fest. «Vom Zünder war in den Unterwasserbildern nichts zu sehen, weil der auf der anderen Seite im Bauschutt versteckt war», sagte Schwitzke. Vorsichtig, Zentimeter für Zentimeter, ließ Schwitzke die Bombe mit einem Bagger aus dem Wasser ziehen. «Wenn wir an Land eine Bombe freilegen, dann kann ich von Anfang an die Zünder sehen», erklärte er. Hier war das nicht der Fall.

Nachdem der 42-Jährige den Rost abgekratzt hatte, konnte er mit einer Rohrzange den Zünder lösen. «Einen großen Plan B hatte ich nicht», sagte Schwitzke. «Wenn sich der Zünder nicht gelöst hätte, wäre mir nichts anderes übrig geblieben, als hinten im Nuthe-Wäldchen ein Loch zu graben und die Bombe dort ohne Rücksicht auf Verluste zu sprengen.»

Eine Waschmaschinenlieferung hatte zuvor die Evakuierung des anderthalb Kilometer großen Sperrkreises im Potsdamer Zentrum Ost unnötig in die Länge gezogen. Wie die Stadtverwaltung mitteilte, hatte am späten Vormittag bei einer Eingangkontrolle zum Sperrkreis ein Lieferant gesagt, dass sein Kunde dringend auf die Maschine warte. Dieser habe ihm gerade per Handy mitgeteilt, dass er so lange in seiner Wohnung warte, bis er seine Lieferung habe. Daraufhin fuhren Mitarbeiter der Stadtverwaltung zu dem Kunden und holten den Protestierenden aus seiner Wohnung.

Insgesamt verlief die Evakuierung aber in geordneten Bahnen. Obwohl der Verkehr streckenweise zum Erliegen kam, sei es nicht zum Chaos gekommen, weil die Potsdamer vorher gut informiert gewesen seien, sagte die städtische Sicherheitsbeigeordnete Elona Müller-Preinesberger. Die Brandenburger Landeshauptstadt setzte 400 Rathausmitarbeiter ein, die sich um die Evakuierung kümmerten. Hinzu kamen 120 Beamte von Landes- und Bundespolizei sowie 157 Mitarbeiter von Feuerwehr und Rettungsdiensten.