Erdogan: Papst redet «Unsinn» in Armenierfrage

Vor dem 100. Jahrestag des Beginns der Gräueltaten an den Armeniern im Osmanischen Reich eskaliert der Streit über die Bezeichnung der Massaker als «Völkermord».

Erdogan: Papst redet «Unsinn» in Armenierfrage
Robert Ghement Erdogan: Papst redet «Unsinn» in Armenierfrage

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan warnte Papst Franziskus davor, die Ereignisse im Ersten Weltkrieg ein weiteres Mal als Genozid zu bezeichnen. An diesem Mittwoch stimmt das EU-Parlament über eine Resolution ab, die dazu aufruft, sich «dem Gedenken an den 100. Jahrestag des Völkermords an den Armeniern» anzuschließen.

Auch zwischen Deutschland und der Türkei droht Streit. Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) und die Deutsche Bischofskonferenz teilten mit, die christlichen Kirchen in Deutschland wollten zusammen mit Bundespräsident Joachim Gauck an die Gräueltaten an Armeniern vor 100 Jahren erinnern. Offiziell laden die Kirchen zu einem Gottesdienst zur Erinnerung an den «Völkermord an Armeniern, Aramäern und Pontos-Griechen» im Osmanischen Reich ein.

Papst Franziskus hatte die Gräueltaten an den Armeniern in einer Messe am Sonntag als «ersten Völkermord im 20. Jahrhundert» bezeichnet. «Ich möchte ihn dafür rügen und warnen», sagte Erdogan nach Angaben der Nachrichtenagentur Anadolu am Dienstag in Ankara. «Der geehrte Papst wird diese Art von Fehler höchstwahrscheinlich nicht wieder begehen.» Erdogan fügte hinzu: «Wenn Politiker und Geistliche die Arbeit von Historikern übernehmen, dann kommt dabei nicht die Wahrheit, sondern so wie heute Unsinn heraus.»

Die Türkei lehnt es als Rechtsnachfolgerin des Osmanischen Reichs strikt ab, von Genozid zu sprechen. Den Gräueltaten waren nach armenischen Angaben 1,5 Millionen Menschen zum Opfer gefallen. Die Türkei geht von deutlich weniger Toten aus. Armenier gedenken am 24. April der Massaker an ihrem Volk vor 100 Jahren.