Erdogan will «Säuberungen» auf Geschäftswelt ausdehnen

Ungeachtet aller Kritik aus der EU will Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan die «Säuberungen» nach dem Putschversuch in der Türkei nun auch auf die Wirtschaft ausweiten.

Erdogan will «Säuberungen» auf Geschäftswelt ausdehnen
Str Erdogan will «Säuberungen» auf Geschäftswelt ausdehnen

«Die, die bis jetzt gefasst wurden, sind nur die Spitze des Eisbergs», sagte Erdogan vor den Vorsitzenden von Handelskammern und Börsen in Ankara. Die Gülen-Bewegung sei besonders stark im Wirtschaftssektor vertreten. Erdogan rief Geschäftsleute auf, auch in diesem Bereich Gülen-Anhänger den Behörden zu melden. «Ich sage euch, das kann sogar euer Verwandter sein.»

Wer die Bewegung des in den USA lebenden Predigers Fethullah Gülen finanziere, trage nicht weniger Schuld als die Putschisten selber, sagte Erdogan. Der Präsident macht Gülen für den Putschversuch verantwortlich. Er kündigte an: «Wir werden kein Mitleid haben.» Erdogan betonte: «Wir haben noch keinen Punkt gesetzt, das ist erst das Komma.» Es werde kein Nachlassen bei der «Säuberung» der Türkei von Gülen-Anhängern geben. «Der Virus hat sich überall ausgebreitet.»

Bislang sind vor allem Staatsbedienstete von den «Säuberungen» betroffen. Nach Regierungsangaben vom Dienstag wurden seit dem Putschversuch Mitte Juli 58 611 Staatsbedienstete suspendiert, weitere 3499 wurden dauerhaft entlassen. Zusätzlich wurde mehr als 20 000 Lehrern an Privatschulen die Lizenz entzogen.

Nach Angaben des Innenministeriums vom Mittwoch wurden 25 917 Menschen festgenommen, gegen 13 419 Verdächtige wurde Haftbefehl erlassen. Die Reisepässe von 74 562 Personen wurden für ungültig erklärt, um die Flucht von Verdächtigen ins Ausland zu verhindern.