Bauernpräsident fordert Überprüfung der Russland-Sanktionen

Bauernpräsident Joachim Rukwied hat «brutale» Folgen durch die Russland-Sanktionen für die Landwirtschaft beklagt und eine Überprüfung gefordert.

Das Embargo sei Hauptursache dafür, dass die Preise für Schweine eingebrochen und der Milchpreis kräftig unter Druck geraten sei, sagte er beim Deutschen Bauerntag in Erfurt.

«Am Ende sind die Bauernfamilien die Leidtragenden.» Er zeigte sich zudem offen für das transatlantische Handelsabkommen TTIP. Wegen des hierzulande stagnierenden Marktes müsse der Export ausgebaut werden. Doch dürften dafür die hohen europäischen Standards etwa in der Fleischproduktion nicht aufgegeben werden.

Laut Bauernverband haben sich die deutschen Agrarexporte in den vergangenen zehn Jahren fast verdoppelt. Zunehmend Sorgen bereiten ihnen jedoch gesunkene Milchpreise. «Die Ursache ist nicht das Ende der Quote, die Ursache liegt in schwächelnden Märkten», konstatierte Rukwied.

Seit dem Ende der Milchquote im Frühjahr, die die Produktion seit Jahrzehnten in der EU gedeckelt hatte, sei die Milchmenge um etwa ein halbes Prozent gesunken, betonte Rukwied. Darüber hinaus rechnen die Bauern dieses Jahr mit einer geringeren Getreideernte von mindestens 10 Prozent unter der des Vorjahres.

Sorge bereitet den Bauern die wachsende Kritik an ihrer Arbeit - etwa am Schreddern von Küken oder am Einsatz von Antibiotika in der Tierhaltung. Thüringens Verbandspräsident Helmut Gumpert sprach von einer «Schlacht» der Medien und Nichtregierungsorganisationen gegen seinen Berufsstand.

Rukwied lehnte schärfere Gesetze ab. «Wir als Bauern sind bereit, für noch mehr Tierwohl zu sorgen - das muss aber auch honoriert werden.» Dabei verwies er auf die zu Jahresbeginn gestartete Initiative Tierwohl. Sie müsse auf breitere Basis gestellt und auch das Fleischerhandwerk und die Systemgastronomie für den Fonds gewonnen werden. Die Fastfood-Kette McDonald's kündigte am Mittwoch Gespräche mit der Initiative an.