Erschossene Schönheitskönigin zu Grabe getragen

Machismo, Eifersucht und verletzte Ehre haben der honduranischen Schönheitskönigin María José Alvarado und ihrer Schwester Sofía offenbar das Leben gekostet.

Erschossene Schönheitskönigin zu Grabe getragen
Str Erschossene Schönheitskönigin zu Grabe getragen

Sofías Freund soll die beiden jungen Frauen auf seiner Geburtstagsparty erschossen haben, weil seine Liebste mit einem anderen Mann tanzte. Bekannte beschreiben den 32-Jährigen als dominant und unbeherrscht.

Am Mittwoch wurden die Schwestern auf dem Friedhof der Stadt Santa Bárbara im Nordwesten des mittelamerikanischen Landes beigesetzt. Eine Polizeipatrouille eskortierte die Trauergemeinde, wie die Zeitung «La Prensa» berichtete. Hunderte Menschen hatten zuvor vor dem Haus der Familie Totenwache gehalten.

«Ich vergebe dir, Sofía, dass du Maria José zu dieser Feier mitgenommen hast», sagte die völlig aufgelöste Mutter Teresa Muñoz am Sarg ihrer Tochter. Die älteste Schwester Cory sagte der Zeitung «El Heraldo»: «Nur Gott kann den Verantwortlichen geben, was sie verdient haben.» Sofías Freund, der Besitzer des Lokals, in dem die Feier stattgefunden hatte, sowie seine Frau und mehrere Angestellte sind mittlerweile in Haft.

«Wir hoffen auf Gerechtigkeit», sagte ein Verwandter. «Niemand hat das Recht, den Menschen das Leben zu nehmen - vor allem, wenn es sich um zwei wundervolle Frauen handelt, die niemandem etwas getan haben.»

Miss Honduras und ihre Schwester waren am vergangenen Donnerstag verschwunden, nachdem sie die Geburtstagsparty von Sofías Freund besucht hatten. Nach einem Eifersuchtsdrama soll der Mann die jungen Frauen erschossen, in seinem Auto an ein Flussufer gebracht und dort verscharrt haben. Polizeichef Ramón Sabillón sagte lokalen Medien, der Verdächtige habe die Tat eingeräumt und die Ermittler zu den Leichen geführt.

Honduras ist mit 90,4 Morden pro 100 000 Einwohnern nach Angaben des Büros der Vereinten Nationen für Drogen- und Verbrechensbekämpfung (UNODC) das gefährlichste Land der Welt außerhalb von Kriegsgebieten. Für einen Großteil der Gewalttaten sind Jugendbanden - die sogenannten Maras - verantwortlich. Aber auch Familienstreitigkeiten werden oft mit der Waffe ausgetragen. Alle 20 Stunden wird in Honduras eine Frau getötet.

«Wir sind erschüttert von dem schrecklichen Tod zweier junger Frauen, die so voller Leben waren. Unsere Gedanken und Gebete gelten der Familie und den Freunden von María José Alvarado und Sofía Trinidad in dieser Zeit der Trauer», sagte die Leiterin der Miss-World-Organisation, Julia Morley.

Alvarado sollte als Miss Honduras am Mittwoch zur Vorausscheidung des Miss-World-Schönheitswettbewerbs nach London reisen. Die Wahl zur Miss World findet am 14. Dezember statt.