Erste Konvention zum Kampf gegen Organhandel

Eine erste umfassende Konvention des Europarates über den Kampf gegen den Organhandel könnte schon 2014 in Kraft treten. Der ständige Ausschuss der parlamentarischen Versammlung soll den Entwurf der Konvention heute in Wien verabschieden.

Erste Konvention zum Kampf gegen Organhandel
Str Erste Konvention zum Kampf gegen Organhandel

Die wichtigsten Bestimmungen darin: Es wird unter Strafe gestellt, Organe bei Menschen unter Zwang oder gegen Geld zu entnehmen und damit illegalen Handel zu treiben. Auch illegale Implantationen bei zahlungskräftigen Patienten sollen bestraft werden. Alle Länder können der Konvention beitreten.

Das Ministerkomitee der Staatenorganisation mit 47 Mitgliedsländern soll in einem letzten Schritt die Konvention noch in diesem Jahr verabschieden. Sie tritt in Kraft, sobald fünf Länder sie ratifiziert haben, von denen drei Europaratsmitglieder sein müssen.

Klar ist in dem Text, dass in erster Linie Organhändler und Chirurgen, die sich an diesen illegalen Praktiken beteiligen, bestraft werden sollen. Den Regierungen wird allerdings überlassen, wie sie mit Menschen umgehen, die aus bitterer Not ihre Organe - in erster Linie eine Niere - gegen Geld entnehmen lassen. Gleiches gilt für diejenigen, die sich Organe «kaufen», weil sie in ihren Heimatländern möglicherweise sehr lange auf eine Spende warten müssen.

Die Berichterstatterin der Versammlung, die sozialdemokratische Schweizer Abgeordnete Liliane Maury Pasquier, bedauerte zu schwache Bestimmungen, um den «Transplantationstourismus» zu stoppen. Gemeint sind damit Patienten, die auf der Suche nach einem Organ in Länder reisen, wo Geschäfte mit Organen möglich sind oder geduldet werden.

Die Arbeit an dieser Konvention wurde durch Medienberichte über einen verbrecherischen Handel mit Organen serbischer Gefangener nach dem Kosovokrieg Ende der 1990er Jahre vorangebracht. Nach Recherchen des früheren Schweizer Europaratsabgeordneten Dick Marty sollen damals in geheimen Haftzentren der kosovarischen Befreiungsarmee UCK Personen verschwunden sein. Auf albanischem Territorium sollen ihnen Organe entnommen worden sein, die zur Transplantation ins Ausland gebracht wurden.