Erste Landung auf einem Kometen geglückt

Premiere im Weltall: Erstmals in der Geschichte der Raumfahrt ist die Landung mit einem Mini-Labor auf einem Kometen gelungen.

Zehn Jahre, acht Monate und zehn Tage nach dem Raketenstart setzte mehr als eine halbe Milliarde Kilometer von der Erde entfernt das Landegerät «Philae» auf «67P/Tschurjumow-Gerassimenko» auf. Allerdings war am Mittwoch zunächst unklar, ob das Labor mit Hilfe von Harpunen fest auf dem Kometenboden verankert werden konnte.

Das Aufsetzen des Labors wird trotzdem von manchen Experten mit der Mondlandung 1969 verglichen. Im Satellitenkontrollzentrum der Europäischen Weltraumorganisation Esa in Darmstadt löste das Ereignis zunächst großen Jubel aus. «Der Tag heute ist historisch», sagte Esa-Generaldirektor Jean-Jacques Dordain. «Wir sind die ersten, denen das gelungen ist. Daran wird man sich erinnern.» Das Ziel solcher Missionen sei, die Erde besser zu verstehen.

«Wir hoffen auf Antworten zum Ursprung des Lebens auf der Erde», meinte der Darmstädter Esa-Direktor für bemannte Raumfahrt und Missionsbetrieb, Thomas Reiter. Glückwünsche gab es auch von Bundesforschungsministerin Johanna Wanka (CDU) und von Brigitte Zypries (SPD), der Koordinatorin der Bundesregierung für Luft- und Raumfahrt. Deutschland hat sich mit etwa 300 Millionen Euro an der Mission beteiligt - knapp ein Drittel der Gesamtkosten von einer Milliarde Euro, wie aus einer Mitteilung von Zypries hervorgeht.

Das Labor war huckepack mit der Sonde «Rosetta» durch das All gereist und dann ausgesetzt worden. Während des siebenstündigen Landevorgangs auf der letzten Etappe von 22,5 Kilometer fuhr «Philae» bei dem gemütlichen Tempo eines Fußgängers die drei spinnenartigen Beine aus.

Der Komet ähnelt in seiner Form einer Quietscheente. Untersuchungen während der Mission ergaben, dass «Tschuri» stinkt - zum Beispiel wegen Schwefelwasserstoffs nach faulen Eiern. Mit einem Volumen von etwa 25 Kubikkilometern zählt er zu den eher kleineren Kometen.

Die Weltraumorganisation Esa betrachtet die Mission als Meilenstein. Das Aufsetzen auf dem Kometen hatten Fachleute als schwierig eingeschätzt, vor allem wegen der unklaren Bodenbeschaffenheit. Die Oberfläche stellte sich nach ersten Daten als eher weich heraus. An vielen Stellen ist der Komet mit Gesteinsbrocken übersät, es gibt aber auch hoch aufragende Felswände und steile Abgründe.

Bereits in der Nacht zum Mittwoch hatte es beim Klarmachen zum Landemanöver heikle Momente gegeben. Es war nicht sicher, ob auf «Philae» eine Düse funktioniert, mit der der Lander aufgrund der sehr geringen Schwerkraft auf «Tschuri» gedrückt werden sollte.

Wissenschaftler hoffen nach der Landung nun auf einen Blick in die Kinderstube des Sonnensystems, das vor 4,6 Milliarden Jahren entstand. Kometen sollen weitgehend unveränderte Materie aus dieser Zeit enthalten - sie gelten als Boten der Vergangenheit. «Rosetta» und «Philae» haben zusammen etwa 20 Instrumente an Bord, um «Tschuri» unter die Lupe zu nehmen.

«Rosetta» legte in den vergangenen zehn Jahren rund 6,5 Milliarden Kilometer im All zurück. Die Sonde war mit «Philae» an Bord am 2. März 2004 mit einer Ariane-5-Rakete von der Weltraumstation Kourou in Französisch-Guayana gestartet. Die Mission soll bis Ende 2015 dauern. «Philae» könnte seine Arbeit aber wesentlich früher einstellen.

Lang im Betrieb ist «Philae» aufgrund der Ladekapazität in den Batterien ohnehin nicht. Der Hauptjob soll in wenigen Tagen erledigt sein. Ob eine Verlängerung für «Philae» möglich ist, war zunächst unklar. Da «Tschuri» allerdings Richtung Sonne unterwegs ist, dürfte «Philae» die ganze Sache auch zu heiß werden - es droht der Hitzetod.