Erste Lucian-Freud-Schau in Wien

Kurz vor seinem Tod hat Lucian Freud doch noch nachgegeben. Viele Museen in Österreich hatten vergeblich beim britischen Maler (1922-2011) angeklopft. Doch dessen Erinnerung an die Vertreibung der Familie durch die Nazis, an die Flucht des Großvaters Sigmund Freud aus Wien, verhinderte eine Werkschau.

Erste Lucian-Freud-Schau in Wien
Helmut Fohringer Erste Lucian-Freud-Schau in Wien

Dem Kunsthistorischen Museum (KHM) ist dank Kurator Jasper Sharp und dessen persönlicher Beziehung zum Künstler jetzt doch der Coup gelungen. Vom 8. Oktober bis zum 6. Januar 2014 werden 43 der wichtigsten Werke des Briten, der nicht zuletzt wegen seiner schonungslosen Porträts und Selbstporträts zu den bedeutendsten zeitgenössischen Malern zählt, erstmals in Österreich zu sehen sein.

Die Schau umfasse zentrale Bilder vom Selbstporträt aus dem Jahr 1943 bis hin zu seinem letzten Werk («Portrait of the Hound»), das 2011 beim Tod Freuds unvollendet auf seiner Staffelei stand, sagte KHM-Generaldirektorin Sabine Haag am Montag. Das erste Nacktporträt («Naked Girl») malte Freud 1966 - schon damals taucht er sein Modell in wenig schmeichelhaftes Licht, macht blanke Haut zu einem Spiegel der Seele. Das Bild stammt aus der Privatsammlung des US-Schauspielers Steve Martin.

Ohnehin haben zahlreiche Sammler für die Schau ihre Bilder geliehen. Im Privatbesitz ist auch das teuerste Werk. Der Sammler hatte 2008 für «Benefits Supervisor Sleeping» 33,6 Millionen Dollar (21 Millionen Euro) gezahlt, damals der höchste Preis für ein Bild eines noch lebenden Künstlers. Auf der Leinwand rekelt sich eine extrem übergewichtige nackte Frau auf einem Sofa.

Freud war nach eigenen Worten fasziniert «von den wunden und abgescheuerten Stellen» und den «verblüffenden Kratern» der Körper fettleibiger Menschen. «Freud war bei seinen Selbstporträts aber noch ehrlicher als bei seinen Porträts», sagt Kurator Sharp. Mit neun Selbstporträts liege der Schwerpunkt der Ausstellung auf diesem Genre. Die dichte Präsentation der Bilder, 20 davon hängen eng benachbart in einem einzigen Raum, war im Sinne des Malers. «Er wollte gern wie ein alter Meister hängen», sagte Sharp.

Unverdrossen habe Freud auch in den Jahren tiefer Erfolglosigkeit wie in den 1970er bis zum Ende der 1980er Jahre jeden Tag an drei Bildern gearbeitet. «Es gab ein Morgen-, ein Nachmittags- und ein Abendbild», sagte Sharp. Nackt-Modelle waren sogar seine Töchter, und weder sie noch der Vater nahmen daran Anstoß. Das Modellsitzen bot den Kindern vielmehr die Chance, den Vater auch einmal zu sehen.

Sigmund Freud, der Begründer der Psychoanalayse, hatte einen nicht unerheblichen Einfluss auf den Werdegang seines begabten Enkels. Er habe dem Jugendlichen mehrere Reproduktionen alter Meister geschenkt, die Lucian stets in Ehren gehalten habe, sagte Sharp.