Erstes Gold für Eilers bei Bahnrad-WM

Joachim Eilers stemmte vor lauter Freude seine Zeitfahrmaschine in die Luft. Nach einem Parforceritt über den Kilometer feierte der Chemnitzer bei der Bahnrad-WM in London endlich den ersten WM-Titel seiner Karriere. Über 1000 Meter fuhr Eilers in 1:00,042 Minuten die beste Zeit.

Erstes Gold für Eilers bei Bahnrad-WM
Andy Rain Erstes Gold für Eilers bei Bahnrad-WM

«Das ist meine siebte WM im 1000-Meter-Zeitfahren. Ich bin in den letzten Jahren immer besser geworden. Der Titel ist nun die logische Konsequenz. Endlich hat es geklappt», sagte Eilers: Bundestrainer Detlef Uibel sprach von einer «überragenden Leistung».

Dieses Urteil traf auf den deutschen Vierer - sowohl bei den Männern als auch bei den Frauen - sicher nicht zu. Leif Lampater (Rosenheim), Nils Schomber (Grevenbroich), Kersten Thiele (Sinsheim) und Domenic Weinstein (Bad Dürrheim) fuhren über die 4000-Meter-Distanz in 4:00,032 Minuten nur die sechstbeste Zeit und verpassten damit die Finalläufe.

Noch größer war die Enttäuschung bei den Frauen: Stephanie Pohl (Cottbus), Charlotte Becker (Berlin), Mieke Kröger (Bielefeld) und Gudrun Stock (München) kamen in 4:32,398 Minuten nur auf den zehnten Platz in der Qualifikation und schieden aus.

Gejubelt wurde im deutschen Lager stattdessen über Eilers. In den vergangenen drei Jahren war der 25-Jährige bereits nah dran, musste bei zwei zweiten Plätzen und einem dritten Rang dem Franzosen Francois Pervis aber jeweils den Vortritt lassen. Diesmal war er nicht zu stoppen, auch weil sein Dauerrivale auf einen Start verzichtet hatte.

Die Konkurrenz war aber auch so stark. Der fünfmalige Weltmeister Theo Bos aus den Niederlanden belegte in 1,00,461 Minuten den zweiten Platz, Dritter wurde der Franzose Quentin Lafargue (1:01,581). WM-Debütant Maximilian Dörnbach (Heiligenstadt/1:02,425) belegte den zehnten Platz.

«Das Publikum war eine Runde vor Schluss extrem laut. Da wusste ich, dass ich vorne lag. Ich habe getreten und getreten», schilderte Eilers die entscheidende Phase. Bereits am Vortag hatte er mit den Teamsprintern den dritten Platz belegt und eine starke Vorstellung abgeliefert. Vor allem in der Qualifikation war es allein dem Schlussfahrer zu verdanken, dass die Teamsprinter überhaupt noch das kleine Finale gegen Frankreich erreicht hatten. Bronze habe ihn aber trotzdem traurig gestimmt, sagte der gebürtige Kölner.

Für die Olympischen Spiele in Rio ist Eilers auf der Position drei fest gesetzt. Bei der EM 2015 hatte er den Keirin-Olympia-Zweiten Maximilian Levy aus dem Team verdrängt, nachdem er sich nach einer Schulter-Operation zurückgekämpft hatte. Seitdem hat er sich unter Bundestrainer Uibel zu einer festen Größe entwickelt.

Damit bewegt sich der Fahrer des Chemnitzer PSV auf den Spuren von Athen-Olympiasieger Stefan Nimke, der viermal in seiner Karriere über die nichtolympische Kilometer-Distanz triumphiert hatte und auch im Teamsprint-Trio als Schlussfahrer zum Einsatz gekommen war.

«Vom Grundleistungsniveau ähneln sie sich mit Sicherheit. Joachim ist aber auch als Keirin-Fahrer gereift, was Stefan nicht konnte», sagte Uibel. Und so kündigte Eilers schon einmal an: «Ich habe noch eine Rechnung offen und will zeigen, dass ich zur Weltspitze gehöre.»