Erstes Urteil: Jugendlicher Vergewaltiger in Indien schuldig

Mehr als acht Monate nach der tödlichen Gruppenvergewaltigung in einem Bus in Indien ist der jüngste der Bande zu drei Jahren Haft verurteilt worden. Ein Jugendgericht in Neu Delhi habe den damals 17-Jährigen des Mordes und der Vergewaltigung schuldig gesprochen, sagte der Anwalt der Opferfamilie. Damit erhielt er die höchstmögliche Strafe.

Erstes Urteil: Jugendlicher Vergewaltiger in Indien schuldig
Money Sharma Erstes Urteil: Jugendlicher Vergewaltiger in Indien schuldig

Die führende Oppositionspolitikerin Sushma Swaraj erklärte am Sonntag, das sei nicht gerecht, das Jugendstrafrecht müsse geändert werden. Der Fall der volljährigen Angeklagten in dem Fall wird separat verhandelt. Zusammen sollen sie im Dezember die Studentin in einem Bus entführt und so schwer misshandelt haben, dass sie 13 Tage später starb.

Die Eltern des Opfers reagierten empört, denn sie wollen alle Peiniger ihrer Tochter hängen sehen. Sie kündigten an, das Urteil anzufechten; damit ist es noch nicht rechtskräftig. Der Vater sagte nach der Entscheidung mit Tränen in den Augen: «Meine Tochter ist tot und nachdem wir dieses Urteil gehört haben, sind wir auch tot.»

Mehrere Zeitungen berichteten am Sonntag, der Bruder des Opfers habe im Gerichtssaal versucht, dem Täter eine Ohrfeige zu geben. Doch hätten ihn seine Eltern und die Anwälte davon abhalten können.

Nach Angaben des Staatsanwalts Rajiv Mohan wurde der Jugendliche in allen Hauptanklagepunkten schuldig gesprochen. Er war angeklagt, die 23 Jahre alte Studentin und ihren Begleiter am Abend des 16. Dezember in Neu Delhi in einen Bus gelockt zu haben. Als sich die Türen geschlossen hatten, fielen die Täter über das Pärchen her. Sie schlugen den Freund des Mädchens mit einer Eisenstange nieder und benutzten eine zweite Stange, um sie zu malträtieren. Dann wurden die beiden nackt aus dem Bus geworfen. Zwei Wochen später starb die Physiotherapie-Studentin an ihren inneren Verletzungen.

Der Mordprozess gegen die volljährigen Verdächtigen vor einem Schnellgericht in Neu Delhi dauert noch an; dieses Urteil wird in den kommenden Tagen oder Wochen erwartet. Beobachter gehen davon aus, dass die Männer die Todesstrafe erhalten. Ein weiterer mutmaßlicher Täter wurde im März erhängt in seiner Gefängniszelle entdeckt. Die Behörden sprachen von Selbstmord. Seine Familie und sein Anwalt hingegen behaupteten, es sei Mord gewesen.

Das Urteil gegen den Jugendlichen war viermal verschoben worden. Anwälte wollten vorher höchstrichterlich klären lassen, ob alle Unter-18-Jährigen automatisch unter das Jugendstrafrecht fallen. Vergangene Woche machte das Verfassungsgericht den Weg frei für den Urteilsspruch. Indien hat ein progressives Jugendstrafrecht, das auch bei schwersten Delikten höchstens drei Jahre in einer Besserungsanstalt vorsieht.

Wie viele Kinderrechtsaktivisten findet auch Anwältin Rebecca M. John das Gesetz sinnvoll, daran sollte jetzt nichts geändert werden. «Wir sollten uns nicht von Emotionen leiten lassen und der Lynch-Mob-Mentalität», sagte sie der Zeitung «The Hindu».

Die Familie des Opfers sagte hingegen nach der Entscheidung, das Urteil sei zu milde und sende ein falsches Signal an andere potenzielle jugendliche Täter. «Wenn er (der Jugendliche) die Tat eines Erwachsenen begangen hat, dann sollte er auch wie ein Erwachsender behandelt werden», sagte die Mutter. Die Gesetze müssten geändert werden, um auch Jugendliche schwer zu bestrafen. «Wir wollen alle fünf Angeklagten hängen sehen.»

Die Vergewaltigung hatte weltweit für Aufsehen gesorgt, in ganz Indien Proteste ausgelöst und ein Schlaglicht auf die im Land grassierende Gewalt gegen Frauen geworfen. Die Regierung verschärfte die Gesetze für Sexualstraftaten und versprach schnellere Gerichtsverfahren. Auch diskutierte erstmals ein größerer Teil der Gesellschaft über Frauenfeindlichkeit und Rollenbilder im Land. Viele Demonstranten forderten bei Protesten den Strang für alle, auch den Jugendlichen der Gruppe. In Indien können Gerichte nur bei erwachsenen Tätern in Ausnahmefällen die Todesstrafe verhängen.

Auch andere Vergewaltigungsfälle hatten kürzlich für Aufsehen gesorgt. Lebenslange Haftstrafen erhielten die Vergewaltiger einer Schweizerin im indischen Bundesstaat Madhya Pradesh. Sie waren über die 39-Jährige und ihren Begleiter hergefallen, als diese während einer Radtour zelteten. Eine ähnliche Strafe droht auch vier der fünf Männer, die sich in einer alten Ruine in Mumbai auf eine 22 Jahre Fotografin stürzten. Auch bei dieser Gräueltat war einer der mutmaßlichen Täter offenbar ein Jugendlicher.

Fünf Inder, darunter zwei Polizisten in Uniform, vergewaltigten nach Medienberichten vom Sonntag eine junge Frau nahe Neu Delhi.
Das Opfer sei bei einem Freund in Noida gewesen, als die Gruppe ins Zimmer stürmte. Die Männer überwältigten demnach den Begleiter und fielen dann nacheinander über die Frau her. Vier Verdächtige seien nach dem Vorfall am Freitagabend festgenommen worden.