Erzfeinde Serbien und Albanien sorgen für Eklat

Gegen die plötzlich heranschwebende Drohne mit der großalbanischen Fahne konnten auch 3500 serbische Polizisten am Boden nichts mehr ausrichten.

Der Abbruch des EM-Qualifikationsspiels zwischen den Erzfeinden Serbien und Albanien hat urplötzlich wieder die gespannten Beziehungen der beiden Nachbarn in den Mittelpunkt gerückt und FIFA-Präsident Joseph Blatter sowie UEFA-Boss Michel Platini gleichermaßen entsetzt. Beide Verbandschef warnten, der Fußball solle niemals für politische Botschaften benutzt werden.

«Ich missbillige zutiefst, was letzten Abend in Belgrad geschehen ist», schrieb der Schweizer Boss des Fußball-Weltverbandes via Twitter angesichts der Jagdszenen im Partizan-Stadion. Platini erinnerte daran, dass der Fußball die Menschen zusammenbringen und nicht mit Politik jeglicher Art vermischt werden solle. «Die Szenen in Belgrad waren unentschuldbar», erklärte der Franzose. Die Europäische Fußball-Union (UEFA) ermittelt gegen beide Verbände wegen der Prügeleien zwischen den Spielern und Zuschauern.

Serbiens Außenminister Ivica Dacic sprach von einer sorgsam geplanten Provokation albanischer Extremisten. «Serbien trägt keinerlei Verantwortung für den Spielabbruch», sagte der Spitzenpolitiker der größten Zeitung «Blic» in Belgrad: «Besonders problematisch ist die Tatsache, dass das der Bruder des albanischen Premiers getan hat, der hier Gast sein sollte». Albaniens Regierungschef Edi Rama will am 22. Oktober als erster Premier seines Landes nach fast 70 Jahren erstmals Belgrad besuchen.

Bei seinem Bruder Olsi sei die Fernsteuerung für die Drohne gefunden worden, berichteten serbische Medien unter Berufung auf die Polizei. Olsi Rama sei in der VIP-Loge des Stadions vorübergehend festgenommen worden. Rama, der einen US-Pass besitze, sei aber schnell wieder freigelassen worden und habe gemeinsam mit der albanischen Fußball-Nationalmannschaft noch in der Nacht das Land per Flugzeug verlassen. Er bestritt allerdings jede Verwicklung in den Skandal.

In Tirana und in der Kosovo-Hauptstadt Pristina feierten die Menschen ihre Stars mit Feuerwerk, Hupkonzerten und Fangesängen. Vizeregierungschef Niko Peleshi und Sportministerin Lindita Nikolla begrüßten am frühen Mittwoch die zurückgekehrte Mannschaft.

Alle Albaner könnten stolz sein auf das Team, das aus «Helden des Tages» bestehe, sagten die beiden Spitzenpolitiker vor jubelnden Fans. Die gesamte Regierung stehe hinter der Mannschaft. Die albanische Nation könne stolz sein «auf die Werte, die die Spieler auf dem Rasen gezeigt haben». In der geteilten Kosovo-Stadt Mitrovica mussten starke Polizeiverbände Hunderte aufgebrachte Serben und Albaner auseinanderhalten. Auch in Wien konnte die Polizei Krawalle zwischen beiden Volksgruppen verhindern.

In serbischen Medien wurde eine Mitschuld der UEFA diskutiert. Während politische Kontrahenten wie zum Beispiel Spanien und Gibraltar in verschiedenen Gruppen spielten, habe man im Falle Serbiens und Albaniens den Auftritt der jahrzehntelangen politischen Erzfeinde in einer gemeinsamen Gruppe zugelassen.