Ethikhüter verkünden Urteil gegen Blatter und Platini

In der FIFA-Affäre um Joseph Blatter und Michel Platini hat jetzt ein deutscher Richter das Wort.

Ethikhüter verkünden Urteil gegen Blatter und Platini
Marcus Brandt Ethikhüter verkünden Urteil gegen Blatter und Platini

Der Münchner Jurist Hans-Joachim Eckert, Vorsitzender der rechtsprechenden Kammer der Ethikkommission des Weltverbands, verkündet am Montagvormittag die Entscheidung über eine weitere Sperre für den FIFA-Chef und den Präsidenten der Europäischen Fußball-Union (UEFA). Den beiden Spitzenfunktionären wird eine dubiose Zahlung von zwei Millionen Franken aus dem Jahr 2011 vorgeworfen.

Beide behaupten, es handele sich um eine verspätete Honorarzahlung für Platinis Dienste für die FIFA aus den Jahren 1998 bis 2002. Die ermittelnde Kammer der Ethikkommission sieht dies anders und hat lebenslange Sperren für Platini und Blatter gefordert. Nach den letzten Anhörungen in der Causa hatten die Ethikrichter erklärt, den Fall «in Ruhe reflektieren» zu wollen, wie Marc Tenbücken als Sprecher des Gremiums verlauten ließ. Blatter hat für den Vormittag in Zürich zu einer Pressekonferenz geladen, um sich zum Urteil zu äußern.

Die einstigen Freunde Blatter und Platini, inzwischen längst Rivalen, hatten den FIFA-Ethikhütern mehrfach eine Vorverurteilung vorgeworfen. Beide haben für den Fall einer weiteren Sperre Einsprüche angekündigt. Möglich wären ein Gang vor den Internationalen Sportgerichtshof CAS und das Schweizer Bundesgericht.

Blatter war am vergangenen Donnerstag noch einmal von den Ethikhütern zur Sache vernommen worden. Dabei habe ihm Richter Eckert erklärt, den Vorwurf der Korruption fallen lassen zu wollen, behauptete der Schweizer kurz vor der Verkündung der Entscheidung. Allerdings könnten die Ethikhüter Blatter auch wegen der Fälschung der FIFA-Bilanzen verurteilen, da die angebliche Schuld gegenüber Platini nicht in den Büchern vermerkt worden war.

Platini war nicht zur letzten Anhörung in seinem Fall am vergangenen Freitag erschienen. Seine Anwälte forderten Freispruch. Der Franzose hofft auf Entlastung durch ein internes UEFA-Dokument vom 12. November 1998, in dem angeblich über seine Tätigkeiten bei der FIFA berichtet wird. Darin soll von einem Jahresgehalt von einer Million Schweizer Franken die Rede sein. Auch ein möglicher Posten als FIFA-Sportdirektor soll erwähnt sein. Experten bezweifeln diese Darstellung.

Eine weitere Sperre würde für Platini wohl endgültig das Aus im Rennen um die Nachfolge Blatters an der FIFA-Spitze bedeuten. Der einstige Weltklassefußballer hat sich zwar um das Amt beworben, konnte aber wegen seiner Suspendierung bisher nicht den notwendigen Integritätscheck absolvieren.

Der neue FIFA-Chef soll am 26. Februar auf einem außerordentlichen Kongress gewählt werden. Blatters Ziel ist es, die Wahl seines Erben zu leiten. Bei einer Verbannung durch die Ethikkommission wäre auch dieses Vorhaben geplatzt.