EU empfiehlt Zulassung von Medikament zur HIV-Prophylaxe

Die europäische Arzneimittelbehörde Ema hat die Zulassung eines Medikaments zur HIV-Prophylaxe empfohlen. Durch die tägliche Einnahme von «Truvada» könnten Menschen das Risiko einer HIV-Infektion senken, erklärte die in London ansässige Behörde.

EU empfiehlt Zulassung von Medikament zur HIV-Prophylaxe
Daniel Bockwoldt EU empfiehlt Zulassung von Medikament zur HIV-Prophylaxe

Die EU-Kommission muss der Zulassung formell noch zustimmen. Das Medikament kommt Experten zufolge vor allem für Menschen mit hohem Infektionsrisiko in Frage.

Die Entscheidung der Ema fiel zusammen mit dem Abschluss der einwöchigen Welt-Aids-Konferenz im südafrikanischen Durban. Bei den Beratungen von Tausenden Forschern, Aktivisten und Regierungsvertretern hatte das neue Prophylaxe-Medikament ebenfalls eine große Rolle gespielt.

Die «PrEP» genannte Prophylaxe basiert auf einer Kombination von Medikamenten, die bereits seit 2005 in der EU für die HIV-Behandlung zugelassen sind (Emtricitabin und Tenofovir disoproxil). Nun hätten zwei Studien bei der Nutzung der Prophylaxe ein deutlich geringeres Risiko einer HIV-Infektion nachgewiesen, erklärte die Ema. Die Behörde betont jedoch, dass das Medikament Kondome nicht ersetze, da diese auch vor anderen sexuell übertragbaren Krankheiten schützten.

«Truvada» ist in den USA bereits seit 2012 zugelassen. In Südafrika wird das Medikament seit diesem Jahr an Prostituierte abgegeben. Experten zufolge könnte das Mittel in Deutschland monatlich rund 800 Euro pro Patient kosten. Ob Krankenkassen das zumindest für Angehörige von Risikogruppen bezahlen würden, ist noch ungewiss.

Die Deutsche Aids-Hilfe begrüßte die Zulassungsempfehlung und forderte eine rasche Einführung in Deutschland. «Es ist jetzt an der Zeit, mit allen Beteiligten Möglichkeiten auszuloten, wie sie finanziert werden kann», sagte Geschäftsführerin Silke Klumb. «Wir haben die Möglichkeit, Leben zu retten und Infektionen zu verhindern - dafür müssen wir alles tun, was möglich ist.»

Gleichzeitig forderte Klumb den Hersteller Gilead auf, den Preis zu senken, um eine breitere Verwendung zu ermöglichen. Laut der Aids-Hilfe käme das Medikament vor allem für schwule Männer mit einem hohen Infektionsrisiko infrage.

Die Welt-Aids-Konferenz war in erster Linie ein Forum des Austausches für die mit dem Kampf gegen HIV und Aids befassten Experten. Eines der wichtigsten Themen war die Frage, wie das Ziel der internationalen Gemeinschaft erreicht werden kann, die Immunschwächekrankheit Aids bis 2030 auszurotten. Viele Experten warnten, dass das Ziel mit der gegenwärtig verfügbaren Finanzierung und anhaltend hohen Infektionszahlen kaum zu erreichen sei. Die nächste Welt-Aids-Konferenz soll 2018 in Amsterdam stattfinden.

Weltweit sind rund 37 Millionen Menschen HIV-positiv. Gegenwärtig infizieren sich jährlich rund 2,1 Millionen neu. Rund 1,1 Millionen Menschen starben 2015 an den Folgen von Aids.