EU-Politiker erhöhen Druck auf FIFA

Mit einem FIFA-kritischen Bündnis wollen Europaabgeordnete den politischen Druck auf den Fußball-Weltverband erhöhen. Unter dem Motto «New FIFA Now» («Neue FIFA jetzt») schlossen sich in Brüssel Politiker mehrerer Fraktionen zusammen.

EU-Politiker erhöhen Druck auf FIFA
Julien Warnand EU-Politiker erhöhen Druck auf FIFA

«Die nächsten FIFA-Wahlen müssen der Startpunkt für echte Transparenz bei Entscheidungsfindungen und Finanzgeschäften in der Organisation sein», erklärte der sozialistische EU-Abgeordnete Marc Tarabella. Ziel des Bündnisses sei es, Spieler, Führungskräfte, Fans und Politiker zusammenzubringen, um grundlegende Reformmöglichkeiten auszuloten.

Präsidentschaftskandidat Jérôme Champagne warnte vor zu viel Kritik an der FIFA und Amtsinhaber Joseph Blatter. «Eine Anti-Blatter-Haltung ist demagogisch, weil nicht eine einzelne Person die Verantwortung hat. Es ist eine gemeinsame Verantwortung», sagte der Franzose beim Besuch der FIFA-Kritiker im Europaparlament. Zu viel Kritik schade außerdem dem Ansehen des Verbands gefährlich. «Wir brauchen eine stärkere FIFA (...), weil wir eine Weltregierung brauchen», fügte er hinzu.

Champagne kündigte für den Fall seiner Wahl an, sein eigenes Gehalt und die Einkommen von Funktionären offenzulegen. «Ich bin ein Kandidat, weil ich die FIFA verändern will», sagte er. Ein weiteres Anliegen sei ihm, den Wohlstand im Verband besser auf die 209 Mitgliedsverbände zu verteilen. «Die Welt hat sich verändert, Fußball hat sich verändert, und wir müssen wieder ausgleichen», forderte er.

Der Ex-Präsident des chilenischen Fußball-Verbandes, Harold Mayne-Nicholls, forderte gleiche Turniere für Männer und Frauen. «Das Spiel muss an erster, zweiter und dritter Stelle stehen», sagte er. Weiter plädierte der Chilene für eine begrenzte Amtszeit. «Die FIFA besitzt den Fußball nicht», betonte er. Man brauche aber einen starken Weltverband, um das Spiel zu schützen. Es gehe darum, das Vertrauen der Milliarden Fans weltweit wiederzugewinnen. Eine Kandidatur hielt sich Mayne-Nicholls weiter offen.

Die Bewerbungsfrist für die Gegenkandidaten von FIFA-Präsident Joseph Blatter läuft bis zum 29. Januar. Neben Champagne, der nicht als ernsthafter Anwärter gilt, kandidiert der jordanische Verbandschef Prinz Ali bin Al-Hussein. Die Bewerber müssen die Unterstützung von fünf nationalen Fußballverbänden nachweisen. Sie sollten zudem belegen, dass sie in zwei der vergangenen fünf Jahre eine «aktive Rolle» im Fußball gespielt haben.

Die Präsidentenwahl soll am 29. Mai stattfinden. Der dann 79 Jahre alte Blatter strebt eine fünfte Amtszeit an. Die FIFA sah sich zuletzt heftigen Vorwürfen von Korruption und politischer Einflussnahme bei der Vergabe der Weltmeisterschaften 2018 und 2022 nach Russland und Katar ausgesetzt.