Euro-Kurs fällt nach überraschender EZB-Zinssenkung deutlich

Die überraschende Leitzinssenkung der Europäischen Zentralbank (EZB) hat den Kurs des Euro am Donnerstag stark unter Druck gesetzt.

Die Gemeinschaftswährung wurde zuletzt mit 1,3370 US-Dollar gehandelt, nachdem sie gegen Mittag noch knapp über der Marke von 1,35 Dollar notiert hatte. Kurzzeitig fiel der Euro sogar bis auf 1,3296 Dollar. Die EZB setzte den Referenzkurs auf 1,3365 (Mittwoch: 1,3517) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,7482 (0,7398) Euro.

Die EZB reduzierte ihren Leitzins um 0,25 Prozentpunkte auf ein neues Rekordtief von 0,25 Prozent. Die Notenbank will mit der Niedrigzinspolitik die zu geringe Inflation bekämpfen. In der Eurozone war die Inflationsrate im Oktober mit 0,7 Prozent auf den niedrigsten Stand seit fast vier Jahren gefallen. Die EZB strebt eine Inflationsrate von knapp zwei Prozent an.

Die Anleger wurden durch die Entscheidung auf dem falschen Fuß erwischt. «Insbesondere irritierend ist die Tatsache, dass EZB-Vertreter in den letzten Tagen die Chance nicht ergriffen haben, öffentliche Auftritte für eine verbale Vorbereitung auf diesen Schritt zu nutzen», schreibt Devisenexperte Ralf Umlauf von der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba). Die meisten Anleger hatten frühestens im Dezember mit einer weiteren Zinssenkung gerechnet.

Niedrige Zinsen machen eine Währung für Anleger weniger attraktiv. In den vergangenen Monaten hatte die Furcht zugenommen, dass der starke Eurokurs die Konjunkturerholung belasten und die Preisentwicklung noch weiter dämpfen könnte. EZB-Präsident Mario Draghi bestritt jedoch, dass die Notenbank auch wegen des hohen Wechselkurses den Zins gesenkt habe.

Zu anderen wichtigen Währungen legte die EZB die Referenzkurse für einen Euro auf 0,83210 (0,84030) britische Pfund, 132,00 (133,33) japanische Yen und 1,2298 (1,2321) Schweizer Franken fest. Die Feinunze Gold wurde am Nachmittag in London mit 1307,25 (1319,00) Dollar gefixt. Ein Kilogramm Gold kostete 30 790,00 (30 810,00) Euro.