Europa-Navi kommt voran: Zwei neue Galileo-Satelliten im All

Eine Sojus-Rakete hat zwei neue Satelliten für das europäische Navigationssystem Galileo erfolgreich ins All gebracht. «Die Satelliten sind auf der richtigen Bahn», sagte der Chef der Europäischen Weltraumorganisation (Esa), Jan Wörner.

Mit Galileo will Europa unabhängig vom amerikanischen GPS werden. Seine Positionsdaten sollen künftig weltweit zum Beispiel von Navigationsgeräten in Autos genutzt werden können. Das milliardenschwere EU-Prestigeprojekt hatte sich allerdings immer wieder verzögert.

Die Trägerrakete mit der rund 1,4 Tonnen schweren Hightech-Fracht startete kurz nach 4.00 Uhr deutscher Zeit vom europäischen Weltraumbahnhof Kourou in Französisch-Guyana. Nach fast vier Stunden Flug wurden die Satelliten «Alba» und «Oriana» in 23 522 Kilometer Höhe ausgesetzt, wie Raketenbetreiber Arianespace mitteilte. Experten im Darmstädter Bodenkontrollzentrum steuern sie nun in ihren endgültigen Orbit.

Die Satelliten sind Nummer 9 und 10 in der Galileo-Konstellation, die bis 2020 insgesamt 30 Satelliten umfassen soll. «Wir haben erst ein Drittel der Arbeit geschafft, aber das ist das schwierigste Drittel», sagte Esa-Programmchef Didier Faivre. Im vergangenen Jahr hatte eine Panne nach dem Start dafür gesorgt, dass zwei Galileo-Satelliten in der falschen Umlaufbahn ausgesetzt wurden. Sie konnten später in eine günstigere Position navigiert werden.

Im Dezember sollen noch zwei weitere Satelliten folgen, 2016 ist ein Start einer Ariane-5-Rakete mit vier Satelliten geplant. Auch der Beginn erster Galileo-Dienste rückt damit näher, wie Paul Flament, Programmmanager der EU-Kommission, am Donnerstag sagte. Dies ist für 2016 angepeilt - noch habe aber die Esa nicht endgültig grünes Licht gegeben. Ursprünglich sollten erste auf Galileo basierende Angebote schon 2008 zur Verfügung stehen. Wegen Streitigkeiten unter den Partnerländern gab es aber immer wieder Verzögerungen.

Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt bezifferte im vergangenen Jahr die Kosten des Projekts auf etwa sechs Milliarden Euro, weitere sieben Milliarden Euro für Betrieb und Ausbau sind im EU-Budget bis 2020 vorgesehen. Europa argumentiert, dass die vorhandenen amerikanischen und russischen Navigationssysteme vom Militär kontrolliert werden. Falls sie einmal abgestellt werden, wären zivile Nutzer aufgeschmissen. Zudem soll Galileo genauere Positionsdaten liefern.

Esa-Chef Wörner denkt derweil schon an die Zeit nach 2020: «Wir müssen auch an die Zukunft denken. Es muss eine zweite Generation geben, denn diese Satelliten werden nicht ewig arbeiten.»