Europas heimliche Regierung: Die Macht der Zentralbanken

In Kampf gegen die Krise hat die EZB so ziemlich alle Register gezogen. Doch wer kontrolliert die Notenbanker eigentlich? Und wie berechenbar sind die Männer und Frauen, die über Milliarden entscheiden?

Europas heimliche Regierung: Die Macht der Zentralbanken
Arne Dedert Europas heimliche Regierung: Die Macht der Zentralbanken

Seine Worte bewegen die Kurse von Aktien und Währungen, seine Entscheidungen bewegen Milliarden. Viele halten EZB-Präsident Mario Draghi für den de facto mächtigsten Mann Europas. Notenbanken wie die Europäische Zentralbank (EZB), die US-Fed oder die Bank of England bewiesen in der Dauerkrise der vergangenen Jahre Entschlossenheit. Sie handelten - und kauften so wertvolle Zeit.

Die Chefin des Internationalen Währungsfonds, Christine Lagarde, adelte Zentralbanker als «Helden der Krise». Doch es gibt auch Kritik - schließlich brachen die Währungshüter, die nicht demokratisch gewählt und von Parlamenten kontrolliert werden, in der Not einige Tabus.

Nullzinsen, Strafzinsen, Staatsanleihenkäufe - die EZB zog so ziemlich alle Register.

Wie wichtig die Berechenbarkeit von Geldpolitik ist, zeigt das jüngste Beispiel der Schweizerischen Nationalbank (SNB): Jahrelang hatte die SNB mit einer Bindung des Franken an den Euro verhindert, dass die heimische Währung zu teuer wird. Völlig überraschend gab sie dann am vergangenen Donnerstag den Franken-Kurs frei - und schockte die Finanzwelt. Der Franken wertete kräftig auf, an den Aktienmärkten ging es drunter und drüber. Analysten beurteilten den Schritt als «Schocker», von einem «Tsunami» für die Märkte war die Rede.

Im Idealfall bemühen sich Notenbanker um möglichst klare Signale, um genau das zu verhindern. Im Sommer 2012 beruhigte Draghi mit einem Machtwort vorübergehend die Lage, als die Eurozone am Abgrund stand: «Die EZB ist bereit, im Rahmen ihres Mandats alles zu tun, was nötig ist, um den Euro zu retten. Und glauben Sie mir: Es wird genug sein.»