Ex-Bundesbank-Präsident Pöhl im Alter von 85 Jahren gestorben

Der frühere Bundesbank-Präsident Karl Otto Pöhl ist tot. Pöhl starb eine Woche nach seinem 85. Geburtstag, wie die Notenbank mitteilte. Von 1980 bis 1991 leitete der Volkswirt die Deutsche Bundesbank - ehe er aus Enttäuschung über die aus seiner Sicht überhastete Wiedervereinigung zurücktrat.

Erst am 1. Dezember hatte der Vater von vier Kindern - zwei aus erster und zwei aus zweiter Ehe - mit Familie und Freunden an seinem Alterssitz in der Schweiz seinen 85. Geburtstag begangen. Kurz zuvor hatte sich Pöhl im dpa-Interview noch zu aktuellen Themen geäußert: Europa müsse in der Wirtschaft- und Finanzpolitik stärker an einem Strang ziehen.

Die Deutsche Bundesbank würdigte am Mittwoch, Pöhl habe dazu beigetragen, dass die Unabhängigkeit der Bundesbank zum Modell für die Europäische Zentralbank (EZB) geworden sei. Pöhl selbst betrachtete das EZB-Statut, das unter seinem Vorsitz erarbeitet wurde, als seine wichtigste Leistung.

«Karl Otto Pöhl lieferte den Beleg, dass Preisstabilität und Wachstum auch in Zeiten großer geldpolitischer Herausforderungen keine Gegensätze sind», erklärte der amtierende Bundesbank-Präsident Jens Weidmann.

«Er lebte die Unabhängigkeit der Deutschen Bundesbank», würdigte Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU): «Karl Otto Pöhl hat der Deutschen Bundesbank in bewegten Zeiten mit seiner Geradlinigkeit und Klarheit im In- und Ausland ein Gesicht gegeben.» Nach Ansicht von Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) hat Pöhl sein Amt als Währungshüter «mit Umsicht und Weitsicht ausgefüllt».

Der gebürtige Hannoveraner Pöhl begann als Journalist und war danach im Ifo-Institut tätig. 1948 trat er in die SPD ein, 2005 gab er sein Parteibuch wieder ab. Pöhl arbeitete im Bundeswirtschaftsministerium, wurde Berater von Bundeskanzler Willy Brandt und Staatssekretär im Finanzministerium unter Helmut Schmidt (beide SPD). 1977 wechselte Pöhl zur Bundesbank und wurde zunächst deren Vizepräsident.