Ex-Henkel-Managerin wird Opel-Marketing-Chefin

Die frühere Henkel-Managerin Tina Müller soll das angekratzte Image des Autobauers Opel aufpolieren.

Ex-Henkel-Managerin wird Opel-Marketing-Chefin
Sebastian Kahnert Ex-Henkel-Managerin wird Opel-Marketing-Chefin

Der Aufsichtsrat der Adam Opel AG hat die 44-jährige Marketingexpertin am Mittwoch mit Wirkung zum 1. August zum Vorstandsmitglied ernannt, wie das Unternehmen in Rüsselsheim mitteilte.

Sie übernimmt das Ressort Marketing von Duncan Aldred (43), der kommissarischer Vize-Präsident von General Motors Europa (GME) für Vertrieb und Kundendienst sowie Chef der britischen Schwestermarke Vauxhall bleibt.

Gleichzeitig verlässt der frühere Opel-Interims-Chef und bisherige Strategievorstand Thomas Sedran Opel und wechselt zum 1. Juli innerhalb des GM-Konzerns zu Chevrolet Europa.

Wie zu hören ist, soll der 48-Jährige als Präsident von Chevrolet die GM-Massenmarke wieder zurück auf die Erfolgsspur bringen, nachdem Chevy zuletzt in Europa Marktanteile einbüßte: Während der Absatz von Opel und Vauxhall in Westeuropa von Januar bis Mai um 6,7 Prozent zurückging, schmolz der Chevrolet-Verkauf um mehr als 31 Prozent.

Sedran gilt als Vertrauter von Opel-Aufsichtsratschef und GM-Vize Steve Girsky. Vorgängerin Susan Docherty hatte vergangene Woche das Handtuch geworfen. Einen neuen Strategievorstand bei Opel wird es nicht geben.

Müller soll die weltweite Vermarktung von Opel, Vauxhall (Großbritannien) und Buick (vor allem China) verantworten.

Der Opel-Vorstandsvorsitzende Karl-Thomas Neumann erwartet entscheidende Impulse von ihr: «Die neue Funktion des Chief Marketing Officer im Vorstand und die Trennung von Marketing und Vertrieb zeigen die hohe Bedeutung, die wir dem Thema Markenführung beimessen. Wir werden der Marke wieder den Glanz verleihen, den sie verdient.» Opel sei der erste Autobauer, der die Bereiche trenne, und der einzige weltweit, der mit Müller und Webber gleich zwei Frauen im Vorstand hat.

In einem Brief an die Mitarbeiter betonte Neumann am Mittwoch: «Wir alle wissen, dass die Belebung und Verjüngung unserer Marke eine entscheidende Voraussetzung für die Rückkehr zu alter Stärke ist. Daher wollten wir ein klares Signal setzen, dass dieses strategische Ziel für uns oberste Priorität hat.» Müller werde eine entscheidende Rolle bei der Profilierung und Emotionalisierung der Marke Opel/Vauxhall spielen.

Mit dieser Rochade hat Opel seit Anfang 2012 bis auf Susanna Webber, die für Einkauf und Logistik verantwortlich zeichnet, den kompletten Vorstand ausgetauscht. Erst im Mai war Ulrich Schumacher zum Personalvorstand aufgerückt, Karl-Thomas Neumann ist seit März Vorstandsvorsitzender. 2012 kamen Michael F. Ableson (Technik), Michael Lohscheller (Finanzen), Peter Thom (Fertigung) und Johan Willems (Kommunikation). «Mit der Aufstellung unseres Führungsteams weiß ich GM in Europa und vor allem Opel/Vauxhall bestens gerüstet für die vor uns liegende Wegstrecke», sagte Neumann. Der defizitäre Autobauer will spätestens 2016 wieder schwarze Zahlen schreiben.

Ursprünglich wollte Müller von Henkel in den Vorstand der konkurrierenden Beiersdorf AG wechseln. Wegen einer Wettbewerbsklausel hätte sie damit aber drei Jahre warten müssen, wogegen sie sich vor dem Düsseldorfer Arbeitsgericht zur Wehr setzte. (Az.: 11 Ca 1115/13). Statt auf den Abschluss der Verfahrens zu warten, kommt sie nun nach Rüsselsheim. Sie hatte im Juni 2012 gekündigt und ist seither freigestellt. Ein Insider betonte: «Sie wollte ihre Karriere nicht von Juristen bestimmen lassen.»