Ex-Pentagon-Chef Gates greift in Memoiren Obama an

Der ehemalige US-Verteidigungsminister Robert Gates hat in seinen Memoiren die Afghanistan-Politik von Präsident Barack Obamas ungewöhnlich scharf attackiert. Obama habe nur das eine Ziel: Die Truppen aus Afghanistan abzuziehen.

Ex-Pentagon-Chef Gates greift in Memoiren Obama an
Brendan Smialowski / Bloomberg N Ex-Pentagon-Chef Gates greift in Memoiren Obama an

Er vertraue seinen Kommandeuren nicht und glaube nicht an seine eigene Strategie im Kampf gegen die Taliban, heißt in dem Buch, aus dem US-Medien am Dienstag (Ortszeit) Auszüge veröffentlichten. Derartige Angriffe von pensionierten Pentagon-Chefs gelten in Washington als absolutes Tabu.

Zudem griff der 70-jährige Gates auch Vize-Präsident Joe Biden und Ex-Außenministerin Hillary Clinton frontal an. Gates wirft Biden vor, er sei ein «Brunnenvergifter», Clinton sei eine Opportunistin, die ihr Mäntelchen nach dem Wind hängt. Beiden Angegriffenen werden Ambitionen für die Präsidentenwahl 2016 nachgesagt werden.

Gates galt bisher als loyaler Beamter: Er diente bereits 2006 bis 2009 unter dem republikanischen Präsidenten George W. Bush. Obama beließ ihn nach seinem Amtsantritt zunächst im Amt, 2011 ging Gates in den Ruhestand. Das Buch mit dem Titel «Duty: Memoirs of a Secretary of War» (Die Pflicht: Memoiren eines Kriegsministers) soll kommende Woche erscheinen.

Das Weiße Haus regierte demonstrativ gelassen auf die Kritik. «Der Präsident schätzt zutiefst den Dienst von Bob Gates als Verteidigungsminister», teilte die Sprecherin des nationalen Sicherheitsrates, Caitlin Hayden, mit. «Obama begrüßt unterschiedliche Ansichten im nationalen Sicherheitsteam», hieß es weiter.

Gates wirft Obama den Angaben zufolge zudem vor, er hege eine Antipathie gegen den afghanischen Präsidenten Hamid Karsai. «Der Präsident vertraut seinen Kommandeuren nicht, er kann Karsai nicht ausstehen, glaubt nicht an seine eigene Strategie und betrachtet den Krieg nicht als seinen eigenen», heißt es in Auszügen in der «Washington Post». Obama habe vor allem daran gezweifelt, dass die von ihm nach seinem Amtsantritt 2009 angeordnete Truppenverstärkung um rund 30 000 Soldaten zum Erfolg führe.

Mit Blick auf den geplanten Truppenabzug aus Afghanistan heißt es demnach über Obama wörtlich: «Für ihn geht es nur darum herauszukommen.» Es ist das erklärte Ziel der USA und der NATO-Partner, bis Ende 2014 die Soldaten vom Hindukusch abzuziehen. Lediglich zu Ausbildungs- und Beratungszwecken sollen noch Truppen im Land bleiben.

Die Vorwürfe aus dem Ruhestand überraschen. In ersten Kommentaren hieß es, Gates hätte angesichts solcher Vorhaltungen gegen den Präsidenten eher zurücktreten müssen, als jetzt nachzutreten.

Allerdings richtete Gates auch Vorwürfe an Bush, der nach dem Terrorangriffen 2001 den Afghanistan-Einmarsch angeordnet hatte. Mit Blick auf den von Bush erhofften Wandel in dem Land meint Gates den Angaben zufolge, seine Ziele seien «auf peinliche Weise ehrgeizig und historisch naiv» gewesen.

Zudem hält Gates dem Präsidenten laut US-Medien eine extrem rigide Zentralisierung und Kontrolle in Sicherheitsfragen vor - stärker als in den Zeiten von Präsident Richard Nixon (1969-1974).