Ex-Präsident Nasheed führt bei Wahl auf Malediven

Bei der Präsidentenwahl auf den Malediven hat nach Auszählung von mehr als der Hälfte der Stimmzettel nach Medienberichten Ex-Präsident Mohamed Nasheed in Führung gelegen.

Trotzdem sei eine Stichwahl Ende des Monats wahrscheinlich, da er wohl nicht die absolute Mehrheit erreicht habe, berichtete die Nachrichtenwebsite «Haveeru Online» am Samstag. Die Wahlkommission machte zunächst keine Angaben zum Ausgang. Nach ihren Angaben lag die Beteiligung bei mehr als 70 Prozent. Die Abstimmung in dem südasiatischen Land verlief nach offiziellen Angaben ruhig.

Nasheed (46), ein im Westen ausgebildete Meeresforscher und Menschenrechtsaktivist, hatte die erste freie Wahl vor fünf Jahren gewonnen. Im Februar 2012 trat er unter umstrittenen Umständen zurück - er selbst spricht von einem Putsch. Wochenlang gab es Ausschreitungen und Proteste, seitdem herrscht in dem Tausend-Insel-Reich im Indischen Ozean eine innenpolitische Krise.

Der derzeitige Präsident Mohamed Waheed Hassan (60), der vor anderthalb Jahren Nasheed ablöste, kam dem Bericht von «Haveeru Online» zufolge nach ersten Angaben nur auf wenige Prozent der Stimmen. Dazwischen liegen demnach der Business-Tycoon Gasim Ibrahim sowie Abdulla Yasim, ein Halbbruder des früheren Präsidenten Maumoon Abdul Gayoom, der das Land Jahrzehnte lang autokratisch beherrschte. Vorläufige offizielle Ergebnisse wurden erst gegen 23 Uhr (20 Uhr MESZ) erwartet.

Mehrere Beobachter hatten bei der Wahl Ausschreitungen befürchtet. Deswegen gab es im Vorfeld Appelle etwa der Vereinten Nationen für einen friedlichen Verlauf der Abstimmung. Die UN forderten, das Ergebnis müsse von allen Kandidaten akzeptiert werden. Ein Sprecher der Antikorruptionsorganisation Transparency International sagte, die 400 Beobachter hätten keine bedeutenden Unregelmäßigkeiten festgestellt.

In dem muslimischen Staat waren fast 240 000 Menschen dazu aufgerufen, ihr nächstes Staatsoberhaupt zu bestimmen. Die Wahllokale schlossen um 16.30 Uhr (13.30 Uhr MESZ). Sicherheitskräfte bewachten die 459 Wahllokale. Es ist erst die zweite Wahl mit mehreren Kandidaten in der Geschichte des Landes.