Ex-Supertramp Hodgson lebt im Hier und Jetzt

An das Leben als Vagabund konnte sich Roger Hodgson auch als Herz von Supertramp nie richtig gewöhnen.

Ex-Supertramp Hodgson lebt im Hier und Jetzt
Ursula Düren Ex-Supertramp Hodgson lebt im Hier und Jetzt

Nach 14 Jahren an der Spitze einer der erfolgreichsten Rockbands ihrer Zeit trennte sich der Sänger aus England 1983 von seinen Musikerkollegen - vor allem, um für seine Familie da zu sein. Die Nachrichtenagentur dpa sprach ihn anlässlich seines 65. Geburtstages an diesem Samstag.

Frage: Ein 65. Geburtstag kann ein Grund für eine Rückschau sein. Was macht Sie stolz, wenn Sie an Ihre Karriere denken?

Antwort: Was für mich als Künstler am Erfüllendsten ist, ist dass ich Lieder geschrieben habe, mit denen sich so viele Menschen identifizieren können. Ich habe mit Musik immer meine Träume, meine Fragen, mein Verlangen nach Liebe und nach Gott ausgedrückt. Wenn Künstler die Stimme der Menschen sein sollen, bin ich sehr glücklich, dass ich mit meinen Songs Dinge ausgedrückt habe, die vielen Menschen auf ihrer Reise durch das Leben geholfen haben.

Frage: Mit Supertramp haben Sie vor mehr als 30 Jahren große Hallen gefüllt. Vermissen Sie diese Zeit manchmal? 

Antwort: Überhaupt nicht. Supertramp war ein 14 Jahre langes Abenteuer in meinem Leben. Aber ich bin jetzt in einer anderen Phase. Ich habe eine andere fantastische Band. Ich bin erwachsen, aber ich habe mehr Spaß denn je. Es ist wunderbar, auf Konzerten zu spüren, dass meine Lieder die Zeit überstanden haben und dass sie heute noch relevant sind und von einer neuen Generation entdeckt werden. Der Mythos, dass diese Songs von Supertramp kreiert wurden, hält sich weiter, aber Lieder wie «Breakfast in America», «Give a Little Bit», «It’s Raining Again» und viele andere habe ich geschrieben, als ich alleine war. Sie kommen aus meinem Herzen und meiner Lebenserfahrung.

Frage: Was ist heute auf Ihren Konzerten anders als früher?

Antwort: Ich bin stolz auf das, was wir mit Supertramp geschafft haben. Aber in den Konzerten, die ich heute spiele, steckt eine stärkere Bindung zum Publikum. Von Herz zu Herz. Die Leute erzählen immer wieder von einer emotionalen Reise, die sie auf den Konzerten erleben. Mein Lieblingsmoment ist, wenn ich mit dem Publikum gemeinsam «Give a Little Bit» singe. Der Song vereint. Es scheint, als würde er das Beste aus jedem einzelnen Menschen herausholen.

Frage: Zwischen Juni und September werden Sie auch Konzerte in Deutschland spielen.

Antwort: Ich fühle mich in Deutschland sehr zu Hause. Ich weiß, Deutsche sind bekannt für ihre strategischen und brillanten Entwicklungen, aber ich genieße es, wenn ich auf den Konzerten auch ihr Herz spüre. Es macht mich sehr froh, dass Deutsche so tief mit meinen Liedern verbunden sind.

Frage: Sie haben Supertramp damals unter anderem verlassen, um mehr für Ihre Kinder da zu sein. Was ist Ihnen heute wichtig?

Antwort: Obwohl ich Musik liebe, bin ich damals 17 Jahre zu Hause geblieben, um ein guter Vater zu sein. Darüber bin ich froh. Die Pause ist einer der Gründe, warum ich heute noch in guter Verfassung bin. Wissen Sie, das Leben ist hart für viele Menschen, Musik kann eine wunderbare Medizin sein. Am wichtigsten ist mir, dass ich durch Musik eine Möglichkeit habe, «to give a little bit», etwas zurückzugeben. Ich habe keine Ziele im traditionellen Sinn. Ich bin nicht mehr auf Ruhm oder eine große Karriere aus. Im Jetzt zu leben, die bestmögliche Person zu sein und - wie der Poet Milarepa - ohne Bedauern leben und sterben: Das halte ich für ein gutes Ziel. So lange meine Stimme hält, werde ich auf Tour gehen. 

ZUR PERSON: Roger Hodgson wurde am 21. März 1950 in Portsmouth geboren. Der Sänger und Musiker ist Mitbegründer der Rockband Supertramp. Er komponierte Welt-Hits wie «Dreamer», «Give a Little Bit», «Breakfast in America» und «It's Raining Again», die zu mehr als 60 Millionen verkauften Tonträgern führten. Nach mehreren Nummer-Eins-Hits - mit «Breakfast in America» stand Supertramp 15 Wochen lang an der Spitze der US-Charts - verließ er die Band 1983. Seit 1997 steht der Brite solo oder mit seiner neuen Band wieder auf der Bühne.