Experten: Kassen-Zusatzbeiträge nicht künstlich niedrig halten

Experten haben vor einer finanziellen Schieflage gesetzlicher Krankenkassen durch den von Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) forcierten Wettbewerb gewarnt.

Experten: Kassen-Zusatzbeiträge nicht künstlich niedrig halten
Bernd von Jutrczenka Experten: Kassen-Zusatzbeiträge nicht künstlich niedrig halten

Kassen können von 2015 an selbstständig Zusatzbeiträge auf den allgemeinen Beitragssatz von dann 14,6 Prozent des Bruttoeinkommens erheben. In Kreisen der Krankenkassen hieß es am Dienstagabend, um keine Versicherten zu verlieren, könnten die Kassen den zusätzlichen Beitrag künstlich niedrig halten und nicht am tatsächlichen Finanzbedarf orientieren. Da der Zusatzbeitrag in den kommenden Jahren voraussichtlich deutlich steigen wird, würde eine solche künstliche Deckelung schnell zu finanziellen Schieflagen einzelner Kassen führen.

Der Gesetzgeber senkt den bisherigen allgemeinen Beitragssatz zum 1. Januar 2015 von 15,5 auf 14,6 Prozent. Die Kassen haben dann selbst die Möglichkeit, einen allein von den Versicherten zu zahlenden Zusatzbeitrag zu bestimmen. Der Gesetzgeber will damit mehr Wettbewerb zwischen den einzelnen Krankenkassen erreichen. Diese müssen nämlich den Versicherten künftig anzeigen, ob andere Kassen günstigere Angebote haben, und sie gegebenenfalls ziehen lassen.

Das Gesundheitsministerium prognostizierte für 2015 einen durchschnittlichen Zusatzbeitrag der Kassen von 0,9 Prozentpunkten. In Kreisen der Krankenkassen geht man davon aus, dass sich die Kassen im ersten Jahr des Wettbewerbs weitgehend an dem vorgegebenen Durchschnittswert orientieren. Einige dürften mit 0,8 Prozenten knapp darunter liegen, andere ebenfalls nur knapp darüber.

Der Vorstandschef der Techniker-Krankenkasse (TK), Jens Baas,
erwartet, dass der Zusatzbeitrag nach 2015 sehr schnell ansteigen werde. Auf einer «Handelsblatt»-Tagung in Berlin verwies er auf Modellrechnungen seiner Kasse. Danach droht schon 2017 ein Anstieg auf 1,16 Prozent und 2017 auf 1,41 Prozent. Dies bedeutet, die durchschnittliche Beitragsbelastung wird bis zum Ende der Legislaturperiode von 15,5 auf über 16 Prozent allein für die Krankenversicherung steigen.

Der Vorstandschef der AOK Baden-Württemberg, Christopher
Hermann, hält indessen schon die Prognose für 2015 für sehr optimistisch. «Der Schätzerkreis hat noch nicht zur Kenntnis genommen, dass die Konjunkturerwartungen sich deutlich eingetrübt haben», sagte Herrmann.