Experten sehen Drang an die Börse - Snowbird startet in Frankfurt

Der weltweite Boom bei Börsengängen (IPO) dürfte nach Einschätzung von Experten in den kommenden Monaten anhalten.

Experten sehen Drang an die Börse - Snowbird startet in Frankfurt
Andreas Arnold Experten sehen Drang an die Börse - Snowbird startet in Frankfurt

Das viele billige Geld suche nach Anlagemöglichkeiten, Aktienbewertungen seien derzeit relativ hoch - das sorge «nach wie vor für Rückenwind auf dem IPO-Markt», erklärte Martin Steinbach von EY (Ernst & Young) am Montag.

Für den deutschen Markt äußerte sich IPO-Experte Christoph Gruss von PricewaterhouseCoopers (PwC) optimistisch: «Die Unternehmen sind weiterhin gut aufgestellt und der Zeitpunkt ist günstig, weshalb in den nächsten Quartalen mit einer verstärkten Aktivität im IPO-Markt zu rechnen ist.»

Die Zahl der sieben Unternehmen, die in den ersten neun Monaten 2014 in Deutschland den Gang aufs Börsenparkett wagten, könnte sich nach Einschätzung von EY bis zum Jahresende auf 15 bis 20 mehr als verdoppeln.

«In Deutschland dürfte das Jahr 2014 - gemessen am Emissionsvolumen - somit das stärkste IPO-Jahr seit 2007 werden», schreiben die Wirtschaftsprüfer. 2007 wurden nach EY-Zahlen insgesamt 7,85 Milliarden Euro bei Börsengängen in Deutschland erlöst.

Allein in dieser Woche stehen mit Zalando (1.10.) und Rocket Internet (2.10.) noch zwei größere Börsengänge von Internetfirmen in Frankfurt auf dem Programm.

Die Gefahr, dass der Hype in einer gefährlichen Blase wie zu New-Economy-Zeiten endet, sieht EY-Experte Steinbach nicht: Die Zahl der Neuemissionen liege noch weit unter dem Niveau des Jahres 2001, Investoren seien heute grundsätzlich vorsichtiger.

Er sehe vielmehr noch Nachholbedarf gerade bei Internetunternehmen, erklärte Steinbach: «Wenn der Erfolg der jüngsten Technologie-IPOs in den kommenden Wochen weiteren deutschen IPO-Kandidaten den Weg aufs Parkett ebnete, wäre das eine gute Nachricht für den Finanzplatz Deutschland.»

PwC weist darauf hin, dass sich der Emissionsmarkt in Deutschland nach einem starken zweiten Quartal im dritten Vierteljahr 2014 deutlich abgeschwächt hat. Nach 857 Millionen Euro Emissionserlös von April bis Ende Juni spielten Börsenneulinge in den anschließenden drei Monaten nur 9,5 Millionen Euro ein.

In den ersten neun Monaten 2014 insgesamt gingen nach Zahlen von EY weltweit 851 Unternehmen an die Börse. Im Vorjahreszeitraum waren es 570. Das Emissionsvolumen lag mit 186,6 Milliarden Dollar (rund 147,2 Mrd Euro) um 94 Prozent über dem Vorjahresniveau (96,2 Mrd Dollar). Größtes Zugpferd: Die chinesische Handelsplattform Alibaba, die am 19. September in New York den bisher größten Börsengang hinlegte.

An der Frankfurter Börse startete am Montag der Daunen-Verarbeiter Snowbird als 16. Unternehmen aus China im streng regulierten Prime Standard. Am Mittag notierte die Aktie um gut drei Prozent über dem Ausgabekurs von 6,00 Euro, sackte dann aber wieder ab. Das Familienunternehmen hatte bei dem Börsengang 9,5 Millionen Euro erlöst - deutlich weniger als erhofft.