Experten: VW steigert Belegschaft stärker als Umsatz

Im Rennen gegen den Branchenprimus Toyota fällt der Autobauer Volkswagen laut einer Expertenberechnung bei seiner Arbeitsproduktivität zunehmend zurück.

Experten: VW steigert Belegschaft stärker als Umsatz
Peter Steffen Experten: VW steigert Belegschaft stärker als Umsatz

Deutschlands größter Konzern habe die Belegschaftgröße im ablaufenden Jahr spürbar stärker gesteigert als den Umsatz, teilten die Autoexperten der Universität Duisburg-Essen mit. Demnach legte die Mitarbeiterzahl um fast 4 Prozent auf rund 594 000 Menschen zu, der Umsatz nur um gut 1 Prozent. Die Erlöse hat die Uni hochgerechnet. Nach neun Monaten lag das Umsatzplus zum Vorjahreszeitraum bei 1,4 Prozent.

«Der Tanker VW wird mit immer mehr Beschäftigten immer schwerer lenkbar», sagte Branchenbeobachter Ferdinand Dudenhöffer. Weltmarktführer Toyota leiste mit 345 000 Beschäftigten - also nicht einmal 60 Prozent der VW-Belegschaft - denselben Absatz, nämlich rund 10 Millionen Fahrzeuge pro Jahr. Mit 336 300 Euro pro Kopf sei die Arbeitsproduktivität im VW-Konzern 2014 um gut 2 Prozent im Vergleich zum Vorjahr zurückgegangen. «Das Effizienzproblem im VW-Konzern ist damit 2014 schlechter statt besser geworden», sagte Dudenhöffer.

Volkswagen hatte nach Weihnachten mitgeteilt, per November auf den Rekordwert von 593 631 Mitarbeitern angewachsen zu sein. «Volkswagen ist seit Jahren ein zuverlässiger und kraftvoller Beschäftigungsmotor in Deutschland, in vielen Ländern Europas und darüber hinaus», sagte Personalvorstand Horst Neumann. Konzernchef Martin Winterkorn hatte im Sommer vor Führungskräften gesagt, es müsse «dringend» über die heutige Fertigungstiefe gesprochen werden.

Unabhängig von der Frage, ob die große VW-Belegschaft und die damit verbundene große Fertigungstiefe nun eher Stärke oder Nachteil ist, sehen namhafte Branchenanalysten den VW-Konzern weiterhin auf klarem Erfolgskurs. So nimmt etwa die NordLB einen steigenden Kurs der VW-Vorzugsaktie an - obwohl ein zentrales Renditeversprechen des jüngsten Sparprogramms «dauerhaft absolut nicht erreichbar» sei.