Extra: Erster Auftritt in der Öffentlichkeit

Der vom Kreml begnadigte Unternehmer und Regierungskritiker Michail Chodorkowski hat sich in Berlin erstmals der Öffentlichkeit gezeigt. Im dunklen Anzug, weißen Hemd und dezent blauer Krawatte beantwortet der am Freitag aus Russland ausgereiste Chodorkowski die Fragen ausgewählter Journalisten.

Selbst als das Gespräch auf die schwersten Momente seiner Haftzeit kommt und seine Entbehrungen, behält der kurz geschorene Chodorkowski die Fassung.

Nach zehn Jahren in Haft präsentiert sich der 50-Jährige zurückhaltend und hoch konzentriert. «Ich habe lange Zeit über die Dinge nachgedacht, die ich hier sage», erklärt er. Das etwa einstündige Gespräch führt Chodorkowski sitzend in leicht vorgebeugter Haltung. Die Hände hält er anfangs fest geschlossen. Erst als im Verlauf der Unterhaltung die alte Gelassenheit und Souveränität zurückkehrt, gestikuliert er mit den Händen.

Als der einst reichste Unternehmer Russlands auf sein verbliebenes Vermögen angesprochen wird, hat er schon wieder die Kraft zum Scherzen. Seine finanziellen Verhältnisse kenne er nicht. «Aber Fußballvereine werde ich ganz sicher nicht kaufen», sagte er mit einem Lächeln in Anspielung auf sportbegeisterte Oligarchen wie Roman Abramowitsch.