Extremisten töten 26 Polizisten in ägyptischer Grenzstadt Rafah

Arisch (dpa) - Wie im Rausch haben Extremisten auf der ägyptischen Sinai-Halbinsel minutenlang auf am Boden liegende Polizisten gefeuert. Sie töteten 26 Angehörige der Ordnungspolizei.

Das Innenministerium und Ärzte in einem Militärkrankenhaus teilten mit, 24 Polizisten seien sofort tot gewesen, 2 weitere Beamte seien später ihren schweren Verletzungen erlegen. Ein junger Polizist kämpfte am Montagabend noch im Krankenhaus um sein Leben. Die Chancen, dass der einzige Überlebende durchkommt, seien nicht gut, sagte ein Sicherheitsbeamter. Das Massaker löste in Ägypten Wut und Entsetzen aus.

Nach Angaben aus Sicherheitskreisen hatten elf bewaffnete Männer mit Panzerfäusten die zwei Minibusse mit Angehörigen der Ordnungspolizei westlich der Grenzstadt Rafah attackiert. Die Angreifer brachten die Fahrzeuge zum Stehen. Dann holten sie alle 27 Polizisten aus den Minibussen heraus und ließen die beiden Fahrer ziehen. Die Polizisten mussten sich hinlegen. Die Extremisten schossen nach Angaben eines Polizisten, der den Tatort später besuchte, fünf Minuten lang auf die Angehörigen der Ordnungspolizei.

In Al-Arisch, der Hauptstadt der Provinz Nord-Sinai, starb am Montag außerdem ein Polizeioffizier durch einen Kopfschuss, als mehrere bewaffnete Männer seinen Kontrollposten vor einer Bank attackierten.

Rafah liegt auf der Sinai-Halbinsel an der Grenze zum palästinensischen Gazastreifen. Im vergangenen August waren bei einem Anschlag in der Nähe von Rafah 16 Soldaten getötet worden. Die Region gilt als Hochburg militanter Salafisten. Außerdem kommt es immer wieder zu Auseinandersetzungen zwischen den Sicherheitskräften und den Betreibern der Schmugglertunnel, durch die Waffen und Waren des täglichen Bedarfs in den Gazastreifen gelangen.

Viele Bewohner der Städte im Norden der Sinai-Halbinsel forderten nach der Attacke die Entlassung des Sicherheitschefs der Provinz. Sie kritisierten, es sei unverantwortlich gewesen, die Polizisten, die in den Urlaub fuhren, in der aktuellen angespannten Situation unbewaffnet mit privaten Minibus-Taxis fahren zu lassen.