EZB bereitet weiteres Anti-Krisen-Paket vor

Die Europäische Zentralbank (EZB) bereitet weitere Schritte im Kampf gegen die gefährlich niedrige Inflation vor.

Der EZB-Rat habe seine Fachabteilungen beauftragt, rasch neue Instrumente für den Notfall zu erarbeiten, sagte Notenbank-Präsident Mario Draghi am Donnerstag in Frankfurt.

Der EZB-Rat sei sich einig, zusätzliche Sondermittel zu nutzen, sollte die Teuerungsrate im Euroraum zu lange auf zu niedrigem Niveau bleiben. Draghi betonte jedoch: «Wir sind zuversichtlich, dass die ergriffenen Maßnahmen wirken werden.»

Spekuliert wird etwa über den Kauf von Unternehmensanleihen, möglich wäre aber auch ein breit angelegter Kauf von Staatsanleihen («Quantitative Easing»/QE).

Vor allem der Kauf von Staatspapieren ist umstritten. Kritiker meinen, die EZB würde damit Staatsfinanzierung mit der Notenpresse betreiben. DZ-Bank-Experte Thomas Meißner ist überzeugt: «Staatsanleihekäufe in großem Stil werden mit einer hohen Wahrscheinlichkeit im kommenden Jahr starten.»

Die Aussicht auf eine weitere Lockerung der Geldpolitik gab dem deutschen Aktienmarkt am Donnerstag einen Schub: Nach einem über weite Strecken trägen Handel schoss der Deutsche Aktienindex am Nachmittag auf über 9400 Punkte in die Höhe.

Das Geld im Euroraum machten die Währungshüter nicht noch billiger: Der Leitzins im Euroraum bleibt auf dem Rekordtief von 0,05 Prozent. Der Strafzins für geparktes Geld bei der EZB bleibt bei 0,2 Prozent.

Von September auf Oktober war die Jahresteuerung im Euroraum leicht von 0,3 Prozent auf 0,4 Prozent gestiegen. «Das gibt der EZB Zeit, eine Pause einzulegen», erklärte Unicredit-Volkswirt Marco Valli. Allerdings liegt die Inflation noch immer deutlich unter der EZB-Zielmarke von knapp 2,0 Prozent. Auf diesem Niveau sprechen die Währungshüter von stabilen Preisen. Billiges Geld heizt üblicherweise die Inflation an.

Doch an der niedrigen Teuerungsrate dürfte sich trotz der seit Jahren anhaltenden Geldschwemme der EZB auch nach eigener Prognose der Notenbank so schnell nichts ändern: Für 2014 erwartet die EZB bisher einen Anstieg der Verbraucherpreise um 0,6 Prozent. Für 2015 dann um 1,1 Prozent, 2016 schließlich um 1,4 Prozent. Draghi sagte, es deute manches darauf hin, dass die Prognosen noch einmal nach unten korrigiert werden könnten. Die neuen EZB-Vorhersagen gibt es im Dezember.

Volkswirte hatten vor der EZB-Sitzung nicht mit weiteren Maßnahmen der Notenbank gerechnet. An der Zinsschraube können die Währungshüter ohnehin nicht mehr drehen, wie EZB-Präsident Mario Draghi schon nach der Leitzinssenkung im September erklärt hatte: «Wir sind bereits am unteren Ende.»

Aktuell hofft Draghi, Geschäftsbanken über den Ankauf von Kreditpaketen (Asset Backed Securities/ABS) und Pfandbriefen entlasten zu können. Das soll den Instituten Freiräume für neue Darlehen verschaffen und so die lahmende Kreditvergabe in Schwung bringen.