EZB-Chef Draghi moniert schleppendes Reformtempo

EZB-Präsident Mario Draghi ist mit dem mangelnden Reformeifer einiger Euro-Länder unzufrieden und mahnt angesichts der momentanen Niedrigzinsphase zu mehr Tempo.

EZB-Chef Draghi moniert schleppendes Reformtempo
Etienne Laurent EZB-Chef Draghi moniert schleppendes Reformtempo

«Die meisten Regierungen bewegen sich, allerdings zu langsam für meinen Geschmack», sagte Draghi der «Bild»-Zeitung (Donnerstag). «Sie wären alle gut beraten, die Zeiten niedriger Zinsen zu nutzen.» Letztlich liege es aber nicht in erster Linie an der Europäischen Zentralbank (EZB) und ihrer Politik, ob ein Land Reformen durchsetze oder nicht. Druck zu machen sei auch nicht Aufgabe der Währungshüter. «Es wäre undemokratisch, wenn eine Zentralbank gewählten Regierungen etwas diktieren würde.»

Ebenfalls unzufrieden ist Draghi mit der Entwicklung in Griechenland. «Ganz klar, das letzte Jahr war für Griechenland wirtschaftlich ein Rückschlag. Jetzt ist allen bewusst, dass es ohne Reformen kein Wachstum gibt.» Allerdings habe die Regierung in Athen in den vergangenen Monaten auch vieles umgesetzt und sich zum Reformkurs bekannt. Mit dem Euro als Währung habe die Krise des Landes indes wenig zu tun, sagte Draghi weiter. «Die Reformen müsste Griechenland in jedem Fall vollziehen.»