EZB-Geldschwemme: Renditen im Sturzflug und Kritik

Die neue Billionen-Geldschwemme der Europäischen Zentralbank (EZB) hat für heftigen Andrang am europäischen Anleihemarkt gesorgt.

Einen Tag, nachdem die EZB Anleihekäufe in Höhe von rund 1100 Milliarden Euro angekündigt hat, stiegen die Kurse von Staatsanleihen in vielen Euroländern stark an. Im Gegenzug fielen die Renditen, die sich aus Nominalzins und Kurswert errechnen, auf neue historische Tiefstände.

Die Renditen sind faktisch der Preis, den die Staaten für frisches Geld am Kapitalmarkt bezahlen müssen. Kehrseite der Medaille: Für Anleger werfen Investments in Anleihen immer weniger ab.

Besonders stark fielen die Renditen in Griechenland, Slowenien und Portugal. In größeren Euroländern wie Spanien und Italien sank der Zins für zehnjährige Staatsanleihen mit 1,31 und 1,46 Prozent auf neue Rekordtiefs. Auch in Deutschland und Frankreich fielen die Zinsen für zehn Jahre auf historische Tiefs von 0,36 und 0,52 Prozent.

Sogar dreißigjährige Bundesanleihen werfen gerade mal etwas mehr als ein Prozent ab. Für zwei- und fünfjährige Bundespapiere gibt es keine Zinsen mehr, die Renditen sind negativ.

Im zweijährigen Laufzeitbereich sind die Renditen in weiteren fünf Euroländern negativ. In den meisten anderen Staaten liegt der Zins für zwei Jahre nur geringfügig über Null.

Nach dem EZB-Beschluss hat Bundesbank-Präsident Jens Weidmann seine Kritik an dem Schritt bekräftigt. «Der Ankauf von Staatsanleihen ist in der Währungsunion kein Instrument wie jedes andere. Es birgt Risiken», sagte Weidmann der «Bild»-Zeitung (Samstag).

Faktisch würden die Notenbanken zu den größten Gläubigern der Eurostaaten. «Das birgt das Risiko, dass solides Haushalten vernachlässigt wird. Und es könnte der politische Druck auf uns steigen, die Zinslast der Finanzminister dauerhaft niedrig zu halten», sagte Weidmann.