EZB stürzt griechischen Finanzmarkt in Turbulenzen

Die drohende Eskalation der griechischen Schuldenkrise hat den Finanzmarkt des Landes in Aufruhr versetzt und die internationalen Börsen aufgeschreckt.

EZB stürzt griechischen Finanzmarkt in Turbulenzen
Orestis Panagiotou EZB stürzt griechischen Finanzmarkt in Turbulenzen

Als Reaktion auf den verschärften Kurs der Europäische Zentralbank (EZB) gegen Griechenland brach der griechische Aktienmarkt am Donnerstag ein.

Gleichzeitig stiegen die Renditen der Staatsanleihen - die Anleger verlangen also einen höheren Risikoaufschlag. An anderen europäischen Börsen wie Paris und London kam es zu Verlusten, auch in Asien und Amerika reagierten die Anleger. Vergleichsweise stabil hielt sich nach kurzem Schreck der deutsche Aktienmarkt.

Die EZB kippte eine Sonderregelung und erschwert damit den ohnehin angeschlagenen griechischen Banken den Zugang zu frischem Geld. Ab dem 11. Februar können griechische Staatsanleihen nicht mehr als Sicherheit für EZB-Kredite genutzt werden.

Die Begründung der Währungshüter: Es sei nicht sicher, dass die Überprüfung des griechischen Spar- und Reformprogramms erfolgreich abgeschlossen werde. Mit dieser EZB-Aktion rückt die europäische Schuldenkrise wieder verstärkt in den Blick der Anleger, erklärten Händler.

Der EZB-Beschluss ist ein schwerer Schlag insbesondere für die griechischen Banken, die am Geldtropf der Zentralbank hängen. Entsprechend unter Druck gerieten griechische Bankaktien. Der Sektorindex sackte zuletzt um mehr als 15 Prozent ab. Die größten Verluste mussten die Aktionäre der Attica Bank mit einem Abschlag von rund 18 Prozent hinnehmen.

«Die EZB beweist Rückgrat», kommentierten die Devisenexperten der Commerzbank. Der griechische Leitindex Athex Composite fiel zwischenzeitlich um mehr als 9 Prozent.

Die Rendite zehnjähriger griechischer Staatsanleihen schnellte um mehr als einen Prozentpunkt auf zuletzt 10,4 Prozent in die Höhe - Renditen von über 7 Prozent gelten in der Regel für die Staaten als nicht als mehr tragbar. Kürzer laufende Anleihen des Landes gerieten noch stärker unter Druck.

Insgesamt hielt sich die Reaktion an den Anleihe- und Aktienmärkten Europas aber in Grenzen. Auch der Euro konnte am Donnerstag wieder zulegen, nachdem die Gemeinschaftswährung am Vorabend als Reaktion auf die Mitteilung der EZB um mehr als einen Cent in Richtung 1,13 Dollar gerutscht war. Die Gemeinschaftswährung stieg am Morgen auf 1,1382 Dollar, nachdem Daten zum Auftragseingang der deutschen Industrie im Dezember deutlich besser als erwartet ausgefallen waren.

Der Schritt der Europäischen Zentralbank sei ein klares Signal, dass eine Verweigerung der Arbeit mit den Geldgeber-Kontrolleuren der Troika Konsequenzen haben werde, erklärte Händler Markus Huber vom Broker Peregrine & Black. Auch Pläne zum Zurückdrehen der Sparmaßnahmen dürften bei der EZB, dem Internationalem Währungsfonds und der Europäischen Union auf deutlichen Widerstand treffen.

Nach Auffassung des Analysten Jan Bottermann von der National-Bank ist die Refinanzierung des griechischen Bankensektors zwar noch nicht gefährdet, da die griechische Notenbank mit Genehmigung der EZB die Liquidität der Banken über Notfallkredite sicherstellen kann. Allerdings könne die EZB diese Genehmigung mit der entsprechenden Mehrheit im Direktorium wieder zurückziehen.

Dadurch sei der Druck auf die griechische Regierung noch einmal erhöht worden, endlich ein Gesamtkonzept vorzustellen, wie sie sich die Zukunft vorstelle. «Dass sich die europäischen Partner bis Mai gedulden werden, wie es erneut (vom griechischen Finanzminister Gianis Varoufakis) gefordert wurde, ist unwahrscheinlich», resümierte Bottermann.