EZB-Umfrage: Experten senken Inflationserwartungen erneut

Der Preisauftrieb im Euroraum wird nach Einschätzung von Ökonomen auf Jahre gering bleiben und noch schwächer ausfallen als bislang angenommen. In einer veröffentlichten Umfrage der Europäischen Zentralbank (EZB) senkten die 61 Experten ihre Prognosen für die Teuerung.

EZB-Umfrage: Experten senken Inflationserwartungen erneut
Ralf Hirschberger EZB-Umfrage: Experten senken Inflationserwartungen erneut

In Deutschland verharrte das Niveau der Verbraucherpreise im Oktober auf einem Jahrestief. Die EZB bekräftigte in ihrem Monatsbericht die Bereitschaft, im Kampf gegen die für die Konjunktur gefährlich niedrige Inflation weitere unkonventionelle Maßnahmen einzusetzen.

In diesem Jahr erwarten die Experten im Euroraum eine Inflationsrate von 0,5 (bisher 0,7) Prozent, im kommenden Jahr rechnen sie mit einem leichten Anstieg auf 1,0 (1,2) Prozent. Für 2016 sagen die Volkswirte eine Jahresrate von 1,4 (1,5) Prozent voraus. Die EZB sieht stabile Preise bei einer Inflation von knapp unter 2,0 Prozent gewahrt. Im Oktober lag die Jahresrate trotz leichten Anstiegs mit 0,4 Prozent deutlich darunter.

In Deutschland verharrte die Inflation im Oktober mit 0,8 Prozent im vierten Monat in Folge auf ihrem Jahrestief und dem niedrigsten Stand seit Februar 2010. Grund ist vor allem der starke Rückgang der Preise für Heizöl und Sprit auf Jahressicht.

Außerdem senkten die von der EZB befragten Experten ihre Wachstumsprognosen. Die Fachleute gehen davon aus, dass das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im Währungsraum in diesem Jahr um 0,8 (1,0) Prozent wachsen wird. 2015 sollen es 1,2 (1,5 Prozent) sein.

Die neuen Prognosen dürften die Notenbank unter Druck setzen, ihre Geldpolitik noch weiter zu lockern. Commerzbank-Expertin Thu Lan Nguyen sieht in den Daten «ein geradezu gefundenes Fressen für die Verfechter weiterer expansiver Maßnahmen im EZB-Rat». Niedrige Inflationsraten können die ohne schwächelnde Konjunktur zusätzlich bremsen: Unternehmen und Verbraucher könnten in Erwartung weiter sinkender Raten Investitionen und Konsum aufschieben.

Neue Schritte im Kampf gegen die gefährlich niedrige Inflation hatte EZB-Präsident Mario Draghi bereits nach der Ratssitzung Anfang November angedeutet. Spekuliert wird etwa über den Kauf von Unternehmensanleihen, möglich wäre aber auch ein breit angelegter Kauf von Staatsanleihen («Quantitative Easing»/QE).