Facebook-Chef kritisiert WhatsApp-Blockade in Brasilien

Facebook-Chef Mark Zuckerberg hat die bisher beispiellose Blockade des zu seinem Unternehmen gehörenden Dienstes WhatsApp in ganz Brasilien scharf kritisiert.

Facebook-Chef kritisiert WhatsApp-Blockade in Brasilien
Peter Dasilva Facebook-Chef kritisiert WhatsApp-Blockade in Brasilien

«Das ist ein trauriger Tag für Brasilien», schrieb Zuckerberg am Donnerstag auf seiner Facebook-Seite. «Brasilien ist bisher ein Alliierter gewesen bei der Schaffung eines offenen Internets.»

Es könne nicht sein, dass die Entscheidung eines Richters «jede Person in Brasilien bestraft, die WhatsApp benutzt». Er sprach von mehr als 100 Millionen Betroffenen.

Seit 23.30 Uhr in der Nacht zu Donnerstag ist der Nachrichtendienst lahmgelegt. Die Blockade war von einem Gericht in São Bernardo do Campo im Bundesstaat São Paulo für 48 Stunden angeordnet worden.

Das Gericht hatte die Telefon- und Internetunternehmen dazu kurzfristig aufgefordert. Hintergrund ist ein Strafverfahren, in dem WhatsApp nicht kooperiert haben soll.

Womöglich geht es um die Herausgabe von Daten oder Chat-Protokollen zu mutmaßlich kriminellen Handlungen. Im Februar war eine landesweite Blockade noch von einer Berufungsinstanz zurückgewiesen worden. Damals ging es laut Medienberichten um die Herausgabe von Daten im Zusammenhang mit einem Pädophilie-Fall.

Brasilien gilt als eines der Länder mit den meisten Nutzern des Dienstes. Über Whatsapp können unter anderem kostenlos Nachrichten, Fotos, Videos und Sprachmitteilungen versendet werden. WhatsApp hat die kostenpflichtige SMS-Kurznachricht weitgehend ersetzt. Weltweit sollen rund 900 Millionen Menschen WhatsApp nutzen. Facebook hatte den Dienst 2014 für rund 22 Milliarden US-Dollar gekauft.