Fachärzte: Magenbypass kann auch Zuckerkranken helfen

Bisher hatte er vor allem Übergewichtigen beim Abspecken geholfen - künftig könnte ein Magenbypass auch manchen Zuckerkranken ein Leben ohne Tabletten und Insulinspritzen ermöglich. Bauchchirurgen sind jedenfalls optimistisch.

Magenbypass-Operationen können nach Überzeugung von Fachärzten nicht nur extrem übergewichtigen Menschen beim Abnehmen helfen, sondern auch manchen Zuckerkranken. Das hätten Erfahrungen mit solchen Magen-Darmtrakt-Operation bei Patienten mit Typ-2-Diabetes gezeigt, berichtete der Vorsitzende der Chirurgischen Arbeitsgemeinschaft für Adipositastherapie, Rudolf Weiner, am Freitag in Nürnberg. Er forderte, Leitlinien zu ändern und auch Menschen mit leichtem Übergewicht einen operativen Eingriff zu ermöglichen.

Bislang werden den Angaben zufolge in Deutschland Patienten ab einem Body-Mass-Index (BMI) von 35 operiert, wenn sie zusätzlich unter Begleitkrankheiten wie Typ-2-Diabetes leiden. Weiner empfiehlt, den BMI auf 30 herabzusetzen. In den europäischen Leitlinien für die Indikation zur Adipositaschirurgie sei dies bereits geschehen. Die Risiken einer solchen Operation halten sich nach Weiners Angaben in Grenzen: Zwar hätten Wissenschaftler eine leicht erhöhte Selbstmordrate bei Menschen nach einer Magenverkleinerung festgestellt. Diese sei jedoch minimal und ein Zusammenhang zum chirurgischen Eingriff nicht erwiesen, sagte Weiner.

Stattdessen wies der Chirurg auf den Präventionseffekt einer frühzeitigen Magenoperation hin: Adipositas (Fettleibigkeit) nehme auch in Deutschland zu und führe zu einer Reihe von weiteren Krankheiten. Dies bezeichnet Weiner als «ökologischen Tsunami», der zum Zusammenbruch des Gesundheitssystems führen könnte. Dieser Entwicklung müsse man entgegensteuern. Er appellierte deshalb an die gesetzlichen Krankenkassen, auch Operationskosten für Typ-2-Diabetiker mit leichtem Übergewicht zu übernehmen.

Auf dem bis diesen Samstag dauernden Kongress für Viszeralmedizin informieren sich knapp 6000 Mediziner über neue Behandlungsmethoden auf dem Gebiet der Bauchchirurgie. Thema auf dem viertägigen Kongress war auch die Weiterentwicklung der Darmkrebsfrüherkennung.