Fall der kleinen Maria: Behörden werden überprüft

Der Fall des mutmaßlich entführten Mädchens Maria soll in Griechenland Folgen in der Verwaltung haben. Am Dienstag ordnete die Staatsanwaltschaft beim Obersten Gericht eine Untersuchung in sämtlichen Standesämtern des Landes an, wie Medien berichteten.

In Lyon wurde währenddessen bekannt, dass Maria nicht in der Vermisstenkartei der internationalen Polizeibehörde Interpol geführt wird - die von den Behörden eingesandten DNA-Proben stimmten mit keinem Erbgut vermisster Personen bei Interpol überein. Die kleine blonde Maria war am Donnerstag in einer Roma-Siedlung entdeckt worden. Das Paar, bei dem sie lebte, sitzt seit Montag wegen des Verdachts auf Kindesentführung in Untersuchungshaft.

Wenige Tage nach Maria in Griechenland haben Behörden auch in Irland einer Roma-Familie ein blondes Mädchen weggenommen. Die Siebenjährige sei von den Behörden in Pflege genommen worden. Der Fall werde bei Europol und Interpol mit Fällen vermisster Kinder abgeglichen. DNA-Tests wurden zunächst keine vorgenommen.

In Griechenland sollen die staatsanwaltlichen Untersuchungen feststellen, wo in den vergangenen fünf Jahren Kinder nur unter Vorlage eidesstattlicher Versicherungen angemeldet worden sind und ob Menschenhandel, Kindesentführung und Sozialbetrug mit Kindergeld vorliegen könnten.

Bisher war es in Griechenland bei Hausgeburten möglich, mit der Vorlage von zwei eidesstattlichen Versicherungen von Zeugen ein Kind anzumelden. Diese Regelung sollen sich auch die Zieheltern der kleinen Maria zunutze gemacht haben, als sie das Kind in Athen registrieren ließen.

Vor allem in Athen soll es zu großen Unregelmäßigkeiten gekommen sein. Dort war das Kind erst in diesem Frühjahr unter Vorlage falscher Papiere angemeldet worden. Als Konsequenz aus dem Fall Maria entließ Athens Bürgermeister Giorgos Kaminis am Dienstag auch vier leitende Standesbeamte.

Unterdessen machen sich viele Eltern vermisster Kinder in Europa Hoffnung, die etwa Fünfjährige könnte ihre Tochter sein. So haben sich Behörden aus mindestens sieben europäischen Ländern und aus Griechenland mit DNA-Proben an die Behörden in Athen gewandt, wie Medien berichteten.

Vor dem Haftrichter hatten die 40-Jährige und der 39-Jährige laut Berichten ausgesagt, ein Paar aus Bulgarien habe ihnen das Kind anvertraut, weil es das Mädchen nicht großziehen konnte.

Einen möglichen Zusammenhang mit Bulgarien will auch die griechische Polizei nicht ausschließen. Demnach könnte das Mädchen den Roma in die Hände gefallen sein, als in Bulgarien ein Ring von Kriminellen ausgehoben wurde, der von 2008 bis 2010 illegale Adoptionen vermittelte.

Bei der Kinderschutzorganisation «Das Lächeln des Kindes», die Maria jetzt betreut, laufen unterdessen die Drähte heiß: «Wir hatten seit Freitag mehr als 8000 Anrufe und E-Mails, und unsere Website wurde bestimmt über 250 000 Mal besucht», sagte eine Sprecherin der Organisation der Nachrichtenagentur dpa am Dienstag.