Familiendrama im Plattenbau: Zwei Kinder in Suhl getötet

Das Mädchen war erst sechs Monate alt, der Junge knapp zwei Jahre. Im südthüringischen Suhl werden die Geschwister in der elterlichen Wohnung getötet. Die Polizei vermutet den Täter in der Familie.

Die Frau steht fassungslos am Hauseingang. Dann schwankt sie kurz und fängt bitterlich an zu weinen. «Was wird denn jetzt, wie konnte das geschehen?», sagt sie noch, bevor Polizisten sie in ein Auto bringen und wegfahren. Zuvor sind die beiden Enkelkinder der Frau tot in einer Wohnung in Thüringen gefunden worden. Eine Beziehungstat, vermuten die Ermittler, und suchen nach dem Sohn der Frau, dem 34 Jahre alten Vater der getöteten Kinder.

Das Drama in Suhl lässt viele Menschen - darunter die am Einsatz beteiligten Polizisten - in der südthüringischen Kleinstadt fassungslos zurück. Selbst in dem Café im nahe gelegenen Supermarkt ist die erschütternde Tat am Dienstag Thema Nummer eins unter den Angestellten. Immer wieder fällt auch der Name Mary-Jane. Die Siebenjährige aus dem nahen Zella-Mehlis war vor gut zwei Jahren ermordet worden. Ein damals 37-Jähriger wird später gefasst und gesteht die Tat.

Die Hintergründe der Tragödie in Suhl-Himmelreich sind dagegen noch weitgehend unklar. Sicher ist, dass die 23 Jahre alte Mutter am Morgen die Leichen ihrer sechs Monate alten Tochter und des knapp zwei Jahre alten Sohnes in der rund 55 Quadratmeter großen Wohnung fand. Der Vater der Kinder ist verschwunden. Wie die beiden gestorben sind, will die Polizei nicht sagen. Stumpfe Gewalt soll nicht ausgeübt worden sein, heißt es aus Ermittlerkreisen. Auch zu den Lebensumständen der Eltern hält sich Polizeisprecher Fred Jäger sehr bedeckt.

Die Polizei sucht auch mit einem «Mantrailer», einem Personensuchhund, nach dem 34-Jährigen. Das Tier führt die Beamten zunächst an dem Wohnblock vorbei, zu einer Bushaltestelle und weiter Richtung Tierpark. Ein Ergebnis bringt die Suche zunächst nicht. Auch eine Befragung von Bekannten und Nachbarn bleibt offenbar erfolglos.

Das Wohngebiet Himmelreich gilt nicht unbedingt als Problemviertel. Es ist bei den Suhlern wegen der guten Infrastruktur mit Kindergärten, Schulen, Gaststätten und Kaufhallen sogar recht beliebt. Vor einigen Jahren wurden mehrere Blocks abgerissen, die übrigen saniert. Dennoch ist die Anonymität hier groß. Selbst den Nachbarn in dem Plattenbau ist das Pärchen völlig unbekannt, das vor etwa einem halben Jahr in die Zweieinhalb-Zimmer-Wohnung gezogen ist.

Das Paar sei immer mit einem Taxi vorgefahren worden, erinnert sich eine Anwohnerin, die seit 40 Jahren hier lebt. «Er ist sehr schlank und groß.» Aber sie habe nie mit den beiden gesprochen. Gelegentlich seien sie mit dem Kinderwagen den engen Bürgersteig entlang gelaufen.

Ein völlig unbeschriebenes Blatt ist die Familie bei den Behörden. Hinweise auf eine Vernachlässigung der Kinder gibt es laut Bürgermeister Jens Triebel nicht. Die Familie sei bislang auch beim Jugendamt nicht negativ aufgefallen, betont er.

Am Nachmittag fährt ein Taxi vor dem Plattenbau vor. Der Fahrer will anonym bleiben, erzählt aber von dem Pärchen, das mehrmals mit ihm unterwegs gewesen sei. Er habe über Radio von der Tragödie gehört und sofort an seine Fahrgäste gedacht.