Fast 200 Tote bei Putschversuch in der Türkei

Bei dem Putschversuch in der Türkei sind nach Angaben des Militärs insgesamt 194 Menschen ums Leben gekommen. Darunter seien 47 Zivilisten und 104 Putschisten, sagte der kommissarisch zum Militärchef ernannte General Ümit Dündar.

Fast 200 Tote bei Putschversuch in der Türkei
Sedat Suna Fast 200 Tote bei Putschversuch in der Türkei

Laut Informationen aus Kreisen der Regierung wurden nach dem Umsturzversuch inzwischen 1563 mutmaßliche Teilnehmer des Putsches aus den Reihen der Streitkräfte festgenommen. Fünf Generäle und 29 Oberste seien ihrer Posten enthoben worden.

Die Regierung in Ankara bezeichnete den Versuch von Teilen des Militärs, die Macht an sich zu reißen, als gescheitert. In der Nähe des Präsidentenpalastes in Ankara gebe es aber noch Probleme, sagte Präsident Recep Tayyip Erdogan am Morgen am Atatürk-Flughafen in Istanbul.

Ministerpräsident Binali Yildirim rief das Parlament für Samstag zu einer Sondersitzung zusammen. «Die Situation ist weitgehend unter Kontrolle», sagte er. General Ümit Dündar werde kommissarisch neuer Militärchef, meldete Anadolu.

Die Ereignisse in dem Nato-Mitgliedsland hatten sich zuvor überschlagen. Am späten Freitagabend begannen türkische Streitkräfte mit einem Putschversuch gegen Erdogan, wie das Militär nach Angaben der privaten Nachrichtenagentur DHA mitteilte. Damit sollten unter anderem die verfassungsmäßige Ordnung, die Demokratie und die Menschenrechte wiederhergestellt werden. Zunächst hieß es, die Streitkräfte hätten die Macht in der Türkei übernommen.

Ministerpräsident Yildirim wies das Militär nach Angaben aus dem Präsidialamt an, von den Putschisten gekaperte Flugzeuge abzuschießen.

Erdogan machte die Bewegung des im US-Exil lebenden Predigers Fethullah Gülen für den Putschversuch verantwortlich. «Sie werden einen sehr hohen Preis für diesen Verrat zahlen», sagte Erdogan am Samstagmorgen am Atatürk-Flughafen in Istanbul.

Gülen ist ein einstiger Verbündeter Erdogans. Beide haben sich aber 2013 überworfen. Gülen - der in der Türkei inzwischen als Terrorist gilt - verurteilte den Putschversuch auf das Schärfste. Eine Regierung müsse durch freie und faire Wahlen an die Macht kommen, nicht durch Gewalt, hieß es in einer Mitteilung.

Erdogan sagte, er sei vor seinem Flug nach Istanbul in Marmaris an der türkischen Ägäis-Küste gewesen. Unmittelbar nach seiner Abreise hätten die Putschisten «diesen Ort leider genauso bombardiert».

Die türkische Armee sieht sich als Wächterin der weltlichen Verfassung des Landes und hatte in den vergangenen Jahrzehnten wiederholt gegen die Zivilregierung geputscht.

Die Lufthansa hat nach dem Putschversuch weitere Flüge in das Land gestrichen. Zwei Verbindungen von Frankfurt nach Istanbul fallen wegen der nach wie vor unklaren Lage aus, wie ein Sprecher mitteilte. Damit sind alle drei der für Samstag geplanten Lufthansa-Flüge von Frankfurt in die Metropole am Bosporus abgesagt.

Noch offen ist, ob die für den Nachmittag von Frankfurt aus geplanten Starts nach Antalya und Bodrum stattfinden. Das werde sich gegen Mittag entscheiden, sagte der Sprecher. Vom Drehkreuz München aus wird die Lufthansa heute keine Ziele in der Türkei anfliegen. Andere Flüge waren bereits am Freitag gestrichen worden.

Die Lufthansa riet allen Passagieren, sich möglichst frühzeitig mit der Airline oder ihren Reiseveranstaltern in Verbindung zu setzen und sich über die aktuelle Lage zu informieren.