FBI hebt Untergrund-Marktplatz «Silk Road 2.0» aus

Rund 150 000 Nutzer sollen auf der Online-«Seidenstraße» monatelang unter anderem Drogen und gefälschte Papiere ausgetauscht haben. Nun ist der mutmaßliche Betreiber der berüchtigten «Silk Road 2.0» den Behörden in San Francisco ins Netz gegangen.

FBI hebt Untergrund-Marktplatz «Silk Road 2.0» aus
Tim Brakemeier FBI hebt Untergrund-Marktplatz «Silk Road 2.0» aus

Ein 26-jähriger Programmierer aus San Francisco soll das illegale Online-Drehkreuz «Silk Road 2.0» betrieben haben. Der Mann sei bereits am Mittwoch verhaftet worden, teilte die US-Bundespolizei mit.

Bei der globalen Aktion hatten Fahndungsbehörden international zusammengearbeitet. In Europa koordinierte Europol in Den Haag das Vorgehen. Insgesamt 16 europäische Länder seien beteiligt gewesen, teilte Europol mit. Auch in Deutschland ermittelten die Fahnder. Nach Angaben des Landeskriminalamts Hessen richtete sich die weltweite Aktion gegen Verkäufer, Betreiber und Kunden illegaler Handelsplattformen im sogenannten Darknet.

Ziel der Aktion sei es gewesen, verschiedene illegale Marktplätze vom Netz zu nehmen, erklärte Europol am Freitag. Erstmals sei man auch im sogenannten Darknet, einem Netzwerk, in dem Nutzer ihre Spuren mit verschiedenen Methoden verwischen, fündig geworden, sagte Troels Oerting, Chef des europäischen Cybercrime Centers von Europol. Insgesamt seien 17 Verdächtige festgenommen worden, die mutmaßlich am Betrieb der Plattformen und am illegalen Handel beteiligt gewesen seien.

«Silk Road 2.0» war eine geheime Plattform, auf der illegale Dienstleistungen und Drogen umgeschlagen wurden. Neben Ecstasy und Marihuana seien dort laut «San Francisco Chronicle» etwa auch braunes Heroin-Pulver aus Afghanistan oder reines Kokain angeboten worden. Auch illegale Waffen und Auftragsmörder seien verschoben worden, sagte Kumar Kibble, Regionalmanager der US-Behörde Homeland Security Investigations in Deutschland.

Die Bezahlung erfolgte demnach in der digitalen Währung Bitcoin, die anonyme Finanztransaktionen ermöglicht. Der Betreiber habe 4 bis 8 Prozent vom verkauften Warenwert als Kommission eingestrichen. Das habe ihm nach Angaben der Ermittler im Monat rund 400 000 Dollar (320 000 Euro) eingebracht.

Rauschgiftfahnder beim LKA in Hessen und beim Zoll verfolgten in Deutschland zusammen mit der Generalstaatsanwaltschaft in Frankfurt die Spuren des illegalen Handels, wie ein Sprecher am Freitag in Wiesbaden sagte. Zum Abschluss der globalen Aktion will das LKA Hessen am kommenden Dienstag auf einer Pressekonferenz weitere Details bekanntgeben.

Bei der Festnahme fanden die US-Ermittler bei dem Tatverdächtigen auch 100 000 Dollar in bar. Der 26-Jährige soll auch mit gefälschten Ausweispapieren gehandelt haben.

Die erste «Silk Road»-Website war im Oktober 2013 von den Behörden geschlossen worden. Nur fünf Wochen später sei dann «Silk Road 2.0» ans Netz gegangen. Die Plattform soll im sogenannten Tor-Netzwerk betrieben worden sein, in dem die Verbindungsdaten automatisch anonymisiert werden. Rund 150 000 Nutzer sollen auf der Plattform unterwegs gewesen sein.

Der Festgenommene, der früher bei dem privaten Raumfahrtunternehmen SpaceX beschäftigt war, werden Drogenhandel, Computer-Hacking, Geldwäsche und Handel mit gefälschten Ausweisen vorgeworfen, wie das FBI erklärte. Diese Anklagepunkte könnten den Mann für Jahrzehnte hinter Gitter bringen.