FC Augsburg braucht Traumnacht in Europa

Bye-bye, Europa - oder historischer Fußball-Abend! Der in der Bundesliga wiedererstarkte FC Augsburg bewegt sich bei seinem Gruppenfinale in der Europa League zwischen den Extremen.

FC Augsburg braucht Traumnacht in Europa
Stefan Puchner FC Augsburg braucht Traumnacht in Europa

Eine «kleine Sensation» muss laut Manager Stefan Reuter schon her, um am Donnerstag im direkten Duell mit Partizan Belgrad um Platz zwei doch noch in die K.o.-Runde zu stürmen. Man könnte auch von einem mittleren Fußball-Wunder sprechen. «Wir sind nicht der Favorit. Aber wir werden so agieren, dass wir weiterkommen hoffentlich», sagte Trainer Markus Weinzierl.

Im Lufthansa-Flieger nach Serbien blieb der Platz von Ragnar Klavan frei. Der Innenverteidiger musste mit einer Gehirnerschütterung, die er am Wochenende beim 1:0-Sieg in Köln erlitten hatte, zuhause bleiben. Die Teamkollegen freuten sich derweil auf eine heiße Atmosphäre im Partizan-Stadion. «Ich hoffe, es wird ein Hexenkessel. Deswegen spielen wir Europa League», sagte Abwehrspieler Jan-Ingwer Callsen-Bracker: «Wir freuen uns auf das Spiel - und wir sind optimistisch.» Kapitän Paul Verhaegh formulierte die klare Aufgabenstellung: «Wir wollen das Unmögliche schaffen.»

Als Mission impossible betrachten die Augsburger ihre womöglich letzte Station auf dem Abenteuertrip durch Europa nicht. Allerdings muss der in Gruppe L mit sechs Punkten hinter Partizan (9) auf Rang drei gelistete Europapokal-Debütant schon einen Gala-Abend erwischen. «An der schwierigen Ausgangslage sind wir selbst schuld. Aber wir sind gut vorbereitet», sagte Reuter. Der Bundesliga-16. kann Serbiens Serienmeister nur überholen, wenn er - abgesehen von einem 2:0-Sieg - mit mindestens zwei Toren Unterschied gewinnt, also 3:1 oder höher.

«Wir sind international angetreten, um eine gute Visitenkarte abzugeben. Das haben wir bislang getan. Wir werden offensiv agieren. Wir müssen drei Tore schießen, das ist eine große Aufgabe», erklärte Weinzierl. Hinten soll zugleich Torwart Marwin Hitz dafür sorgen, dass wieder die Null steht. In den letzten drei Ligaspielen ist dem famosen Hitz, der beim Sieg in Köln als Elfmeterpunkt-Trampler die Gemüter erhitzte, das gelungen. «Das gibt uns sehr viel Vertrauen, Mut und Moral», sagte Verhaegh zum defensiven Aufwärtstrend.

Belgrad wird aber vor allem zu einem Fall für Raúl Bobadilla, sofern der Torjäger einsatzfähig ist. Den 28-Jährigen plagt eine Prellung am Sprunggelenk. Bobadilla könnte am ehesten für eine vorgezogene Weihnachtsbescherung sorgen: Fünf der neun Europa-League-Tore des FCA hat der bullige Angreifer erzielt. Weinzierl will einiges riskieren, aber nicht zu viel: «Die Bundesliga ist und bleibt das wichtigste», sagte er mit Blick auf das Heimspiel am Sonntag gegen Schalke 04. Als Option fehlt ihm in der Offensive Alexander Esswein, der ebenso eine Gelb-Sperre verbüßen muss wie Mittelfeldspieler Dominik Kohr.

Es spricht fast alles für Partizan, aber Serbiens Meister schwächelt in dieser Saison. Der Trainer wurde schon gewechselt, aber auch unter Ljubinko Drulovic läuft es nicht rund. Nach der 0:2-Heimniederlage am Wochenende gegen FK Vojvodina Novi Sad beträgt der Rückstand auf Spitzenreiter Roter Stern Belgrad schon kaum fassbare 24 Punkte.

Partizan steht für Angriffsfußball. Der Star ist U20-Weltmeister Andrija Zivkovic. Der pfeilschnelle Rechtsaußen hat schon vier Tore im laufenden Wettbewerb erzielt. Auch beim 3:1-Sieg von Partizan am 2. Spieltag in Augsburg war der 19-Jährige als zweifacher Torschütze der Matchwinner gewesen.