FC Bayern auch in Unterzahl nicht zu stoppen

Pep Guardiola saß lächelnd auf dem Podium und schwärmte von seinen meisterlichen Bayern. Der leidenschaftliche Auftritt des Münchener Starensembles beim 2:1 (1:1) bei 1899 Hoffenheim versetzte den gestrengen Münchener Fußball-Lehrmeister schon früh in der Saison in Hochstimmung.

FC Bayern auch in Unterzahl nicht zu stoppen
Uli Deck FC Bayern auch in Unterzahl nicht zu stoppen

«Wir haben eines der besten Bundesliga-Spiele der letzten drei Jahre gezeigt», lobte Guardiola überschwänglich. «Ich bin zufrieden mit dem Sieg, vor allem aber mit der Leistung der Mannschaft.»

Das Blitz-Gegentor von Kevin Volland nach nur neun Sekunden, egal. Der Feldverweis gegen Jérôme Boateng, nicht zu ändern. Die drei Aluminiumtreffer und der verletzungsbedingte Ausfall von Medhi Benatia, Pech. Die Bayern trotzten am Samstag im Stile eines Champions allen Widrigkeiten und feierten dank des Last-Minute-Treffers von Robert Lewandowski ein Happy End.

Und so war es schon am 2. Spieltag wieder da - das Münchener «Mia-san-mia»-Gefühl. «Für uns ist es gut, wenn man nach zwei Spielen sechs Punkte hat und ganz oben steht. Die Gegner registrieren sicher auch, dass wir am Ende mit zehn Mann gewonnen haben», frohlockte Kapitän Philipp Lahm.

Selbst «Motzki» Matthias Sammer hatte trotz des unglaublichen Rekordtores von Volland, der den Bayern nach nur neun Sekunden mit der ersten Hoffenheimer Ballberührung eine kalte Dusche verpasste und sich nun neben dem Leverkusener Karim Bellarabi schnellster Torschütze der Bundesligageschichte nennen darf, nichts zu meckern. «Wir werden nicht immer gut spielen und auch Fehler machen. Aber die Mannschaft hat sich nach nichts anmerken lassen. Das ist ein wichtiges Zeichen», lobte der Münchener Sportvorstand.

Eine Angriffswelle nach der anderen rollte auf das TSG-Tor, in dem Oliver Baumann phasenweise über sich hinauswuchs. Gegen den Abstauber von Thomas Müller (41.), den Sammer angesichts des Interesses von Manchester United später erneut für «unverkäuflich» erklärte, und die Direktabnahme von Lewandowski (90.) - jeweils nach Vorarbeit des agilen Douglas Costa - war auch der Hoffenheimer Keeper machtlos.

«Wir haben Leidenschaft gezeigt. Wenn man mit Zehn gegen Elf die aktivere Mannschaft ist und die besseren Chancen hat, zeigt das, dass wir unbedingt gewinnen wollten», stellte Lahm fest. Und Müller, der sein drittes Saisontor erzielte, meinte: «Wir sind mit einem Mann weniger drangeblieben und haben uns für eine wirklich aufreibende Partie belohnt.»

Diese Mentalität gefiel auch Sammer, dem natürlich die eine oder andere Schwäche nicht entgangen war. «Man merkt, dass wir die letzten paar Prozente vom Tempo, vom Spielrhythmus noch erarbeiten müssen. Es fehlt auch noch die Leichtigkeit», analysierte er gewohnt kritisch.

Am Ende war auch etwas Glück dabei. Denn die Waage hätte gut eine Viertelstunde vor Schluss in die andere Richtung ausschlagen können - auch wenn dies den Spielverlauf auf den Kopf gestellt hätte. Als der 60 Sekunden zuvor verwarnte Boateng nach einem Handspiel in der Freistoßmauer mit Gelb-Rot vom Platz flog und Eugen Polanski an den Punkt trat, drohte Ungemach. Doch der Hoffenheimer schoss den Elfmeter an den Pfosten.

«Das war der Knackpunkt», sagte TSG-Trainer Markus Gisdol, der den Bayern «eine brutale individuelle Klasse» attestierte. Die sollen auch die kommenden Gegner zu spüren bekommen. «Es ist maximal ein Anfang», verkündete Sammer. «Wir sind im Marathon bei Kilometer drei. Da gibts noch keine Medaille.» Es klang fast wie eine Drohung.