Feature: Die Schüsse, die eine Stadt schocken

Die Karnevalsparty für Kinder im Krudttoenden Café hat Tradition. Jedes Jahr haben die kleinen Karnevalisten von Kopenhagen dort ihren Spaß. Dieses Jahr ist die Party abgesagt. 

«Krudttoenden ist bis auf weiteres geschlossen, wegen einer Schießerei am 14. Februar», steht auf der Facebook-Seite der Einrichtung. Vermutlich Terroristen haben das Café am frühen Samstagabend überfallen und einen Menschen erschossen. Eine Stadt ist geschockt, alle denken an Paris und die Anschläge auf die Satirezeitschrift Charlie Hebdo. 

Die Parallelen sind frappierend. Als die Schüsse fielen, fand in dem Café gerade eine Diskussionsveranstaltung unter dem Titel «Kunst, Blasphemie und Meinungsfreiheit» statt. Einer der Redner war Lars Vilks, ein Zeichner, der im Jahr 2007 wegen seiner Mohammed-Karikaturen in die Kritik von Muslimen geraten war. Auch Inna Schewtschenko, Kopf der Feministinnen-Gruppe Femen, war dabei. 

Der französische Botschafter in Kopenhagen, Francois Zimeray, zählte ebenso zu den Gästen. Er sollte über die Erfahrungen mit den Attentaten von Paris informieren. «Ich bin noch am Leben», twitterte der Franzose unmittelbar nach den Schüssen. Vilks versteckte sich in einer Kühlkammer, nachdem er das erste Gewehrfeuer vernommen hatte. Beide blieben unverletzt. 

Die Gegend um das Café war am Samstagabend hermetisch abgeriegelt. Einige Stunden, nachdem - wie man inzwischen weiß - ein bewaffneter Mann das Feuer außerhalb des Haupteinganges eröffnet hatte. Es war wohl auch in Kopenhagen ein «Akt des Terrors», wie Dänemarks Ministerpräsidentin Helle Thorning-Schmidt es formulierte. «Alles deutet darauf hin.»

Die Regierungschefin wählt klare Worte. Die Tat sei politisch motiviert, es werde alles in Bewegung gesetzt, um die Verantwortlichen zu finden. Die dänische Polizei fahndete mit allen verfügbaren Kräften nach dem flüchtigen Täter, der in einem dunklen VW Polo das Weite suchte. Könnte er nach Deutschland flüchten? Die hiesige Bundespolizei ist eingeschaltet und verstärkte am Abend ihre Präsenz an der deutsch-dänischen Grenze.

In der Zwischenzeit durchkämmte die Spurensicherung das Café und das Gelände drumherum. Polizisten in weißen Overalls durchforsteten jeden Zentimeter in dem Gebäude aus rotem Ziegelstein nahe des Stadtparks Faelledparken, Spürhunde halfen ihnen. 

Die Gewaltszenen vom Samstag sind absolut nicht typisch für die Gegend. Vor allem Familien kommen in das Kulturcafé, häufig gibt es dort Flohmärkte. Nebenan liegt ein Schwimmbad, dahinter das Fußballstadion des Kopenhagen FC. «Ich bin ein wenig geschockt, aber das ist offenbar die Welt, in der wir leben», sagte Christina  Christinsen, eine 47 Jahre alte Sozialarbeiterin, die in einem nahe gelegenen Wohnblock lebt. Maria, eine Studentin, die in einem benachbarten Café gerade ihr Dessert löffelte, ist ebenfalls schockiert. «Es ist absurd, dass nach den Attentaten von Paris etwas Ähnliches hier in Dänemark passiert.»