Fed-Zinsentscheidung und Brexit sorgen für Zurückhaltung

Vor der Zinsentscheidung der US-Notenbank Fed und der Volksabstimmung über den Verbleib Großbritanniens in der EU dürften sich die Anleger am deutschen Aktienmarkt weiter zurückhalten.

Fed-Zinsentscheidung und Brexit sorgen für Zurückhaltung
Fredrik Von Erichsen Fed-Zinsentscheidung und Brexit sorgen für Zurückhaltung

Am Freitag rutschte der Dax erstmals seit zweieinhalb Wochen unter die Marke von 10 000 Punkten. Der deutsche Leitindex schloss 2,52 Prozent tiefer bei 9834,62 Zählern. Auf Wochensicht betrug das Minus im deutschen Leitindex rund 2,66 Prozent - es war die zweite Woche hintereinander mit Verlusten.

Mittlerweile gilt aber als ausgemacht, dass die Notenbank am Mittwoch den Leitzins unverändert bei niedrigen 0,25 bis 0,50 Prozent belassen wird. Nach diesem Ereignis und der Leitzinsentscheidung der Bank of England am Donnerstag, auf der ebenfalls alles beim Alten bleiben dürfte, dürfte die Anleger vor allem der 23. Juni interessieren. An diesem Tag entscheiden sich die Bürger Großbritanniens für oder gegen einen Verbleib in der EU.

«Das nun immer näher rückende Referendum in Großbritannien wirft inzwischen lange Schatten über die Börsen in Europa», sagt Werner Bader, Investmentanalyst der Landesbank Baden-Württemberg, die aktuelle Gefühlslage an den Märkten.

Seit Ende Mai hat der Dax fast kontinuierlich an Wert verloren. Die Unsicherheit der Anleger wegen des möglichen Brexit drückte nach einer kurzen Erholung das wichtigste deutsche Börsenbarometer zuletzt gar wieder unter die Marke von 10 000 Punkten - stattdessen flüchteten die Investoren beispielsweise in deutsche Staatsanleihen, deren Renditen auf Rekordtiefs fielen.

In der neuen Woche dürfte auch der Konjunkturkalender für Beachtung sorgen. Vor allem aus den USA steht eine wahre Datenflut ins Haus: Mai-Einzelhandelsumsätze am Dienstag, am Mittwoch die Industrieproduktion für Mai und der mit dem Empire State Index ein wichtiger Frühindikator für die US-Wirtschaft, am Donnerstag die Verbraucherpreise für Mai. «Die US-Daten sollten belegen, dass im zweiten Quartal mit einer Beschleunigung des Wachstums zu rechnen ist», sagt Helaba-Expertin Claudia Windt.

Am Dienstag steht mit der Industrieproduktion für April auch ein wichtiger Termin für die Eurozone an. Die Daten sollten nach Einschätzung von Christoph Balz von der Commerzbank auf ein schwächeres zweites Quartal deuten. Am Donnerstag folgen dann die Verbraucherpreise für Mai.

Auf Unternehmensseite geht derweil die Saison der Hauptversammlungen weiter. Am Dienstag treffen sich die Aktionäre des Chemiekalienhändlers Brenntag. Spannend könnte es auch am Donnerstag beim Aktionärstreffen des Zahlungsabwicklers Wirecard werden, der an der Börse zuletzt mehrfach ins Visier von Spekulanten geraten ist. Zudem legt der Modekonzern Gerry Weber am Dienstag seine Zahlen für das zweite Geschäftsquartal vor.