Fernbusse steuern trotz Preiskrieg langsam in die Gewinnzone

Millionen Fahrgäste, ein immer dichteres Netz und trotz sinkender Ticketpreise die Aussicht auf erste Gewinne: Zwei Jahre nach Freigabe der Lizenzen haben sich die Fernbusse in Deutschland etabliert.

Fernbusse steuern trotz Preiskrieg langsam in die Gewinnzone
Rolf Vennenbernd Fernbusse steuern trotz Preiskrieg langsam in die Gewinnzone

Zwischen 15 und 20 Millionen Menschen und damit doppelt so viele wie im Vorjahr haben im fast abgelaufenen Jahr 2014 das neue Verkehrsmittel benutzt, schätzt der Verkehrsexperte Christoph Gipp vom Berliner Marktforschungsinstitut Iges.

In der noch jungen Branche herrscht laut Gipp ein heftiger Preiskrieg um den Kunden: Der Normalpreis pro Kilometer sei seit Jahresbeginn 2013 um 14 Prozent auf 8,6 Cent gefallen, im Angebot gebe es die Tickets auch schon mal für 4 Cent den Kilometer. Der Verkehrsclub VCD ermittelte in einer Stichprobe Durchschnittspreise von unter 6 Euro von Nürnberg nach München oder knapp 17 Euro von Hamburg nach Köln. Die Bahn verlangt üblicherweise ein Vielfaches.

Das harte Rennen hat im zurückliegenden Jahr mehrere Opfer gefordert. Der ohnehin krisengeschüttelte ADAC hat das spät geschlossene Bus-Bündnis mit der Deutschen Post bereits wieder verlassen und der Offenbacher Pionierbetrieb Deinbus schleuderte in die Insolvenz, hält aber vorerst den Betrieb aufrecht.

Mit einer düsteren Prophezeiung verabschiedete sich im Oktober der britische Bus-Gigant National mit seiner Tochter city2city aus dem deutschen Markt. «Wir gehen davon aus, dass wir das erste, aber sicherlich nicht das letzte Unternehmen sind, das den Betrieb einstellen wird.»

Der Marktführer «MeinFernbus», der fast die Hälfte des Angebots auf die Straße bringt, hat nach eigenen Angaben die Gewinnzone bereits erreicht, aber noch keine genauen Zahlen genannt. Flixbus mit dem zweitgrößten Netz will im kommenden Jahr die ersten schwarzen Zahlen schreiben und die Busunternehmen der Deutschen Bahn sind nach eigenen Angaben schon heute profitabel.

Zum Mitarbeiter des Jahres müssten die Busanbieter eigentlich den Chef der Lokführergewerkschaft GDL, Claus Weselsky, machen. Sechsmal legten die streikenden Lokführer in diesem Jahr die Arbeit nieder, und immer konnten die Fernbusse als Alternative in den Medien glänzen.

Durch die Bank steigerten die Unternehmen ihren Bekanntheitsgrad, wie eine YouGov-Meinungsumfrage zeigte. Und das Potenzial neuer Kunden scheint längst noch nicht erschöpft: Nur 14 Prozent der Befragten sind schon einmal mit dem Fernlinienbus gereist, aber 67 Prozent können es sich vorstellen.

Nach früheren Angaben hat die Bahn schon in diesem Jahr bis zu 120 Millionen Euro Umsatz an die neue Konkurrenz abgegeben. Mittelfristig könne der Betrag weiter steigen, heißt es. Immerhin reagiert der Staatskonzern: Erstmals seit langem gab es in diesem Herbst im Fernverkehr keine Preiserhöhungen für die große Masse. Das kostenfreie W-Lan bleibt aber zunächst auf die erste Klasse beschränkt. Im Bus surfen die Passagiere schon immer klassenlos, neben dem Preis ein wichtiges Argument für das meist junge Publikum.

Auch das Preissystem der Bahn steht wegen des Konkurrenzdrucks auf dem internen Prüfstand: Neben die bekannten Bahncards sollen weitere Rabattangebote treten, die auf den Vergleichsportalen besser gegen die Buspreise bestehen können. Schon heute bietet die DB auf Busportalen besonders günstige Tickets an. Dafür drängen die Busunternehmen auf Verbindungen ins nahe europäische Ausland und bieten Nachtfahrten - ein Segment, das bei der Bahn gerade zusammengestrichen wird.

Trotz aller Wachstumsperspektiven sehen Kritiker bei den Fernbussen aber auch noch zahlreiche Baustellen, etwa bei den vielerorts ausbaufähigen Haltestellen. Der Preiskampf berge zudem die Gefahr, dass die bei Subunternehmen angestellten Fahrer ausgebeutet werden, meinen beispielsweise die Gewerkschaften Verdi und EVG.

Bedenklich viele Verstöße gegen Lenk- und Ruhezeiten haben Polizeikontrollen beispielsweise in Hannover ergeben, doch der Bundesverband Deutscher Omnibusunternehmer sieht kein strukturelles Problem. Die Unternehmen arbeiteten hart, damit Busfahren sicher sei.