Festivalfans feiern beim „MS Dockville” im Regen

Unberührt brät ein Maiskolben auf einem Polizeiauto, das auf dem Dach liegend zum Grill umfunktioniert wurde. Das „performative BBQ”, eine Installation des französischen Künstlers Benedetto Bufalino, ist nur eine der Kuriositäten, die es auf dem Gelände des Festivals „MS Dockville” auf der Hafeninsel in Hamburg-Wilhelmsburg zu entdecken gibt.

Festivalfans feiern beim „MS Dockville” im Regen
Markus Scholz Festivalfans feiern beim „MS Dockville” im Regen

Neben kleinen Techno-Nischen, Essens- und Verkaufsständen dröhnen aus allen Ecken verschiedene Klänge, die sich übereinander legen und zu einer undefinierbaren Basswelle verschwimmen.

Fast könnte man sich zurücklehnen, tief einatmen und entspannen. Wenn man nur nicht bis zu den Knien im Matsch stecken würde. Oder plötzlich das Handy vibriert, weil die Festival-App vor Starkregen und Gewittern warnt. Die Besucher haben sich mit wetterfesten Klamotten, Capes und Gummistiefeln ausgerüstet. Am zweiten Tag des „MS Dockville” regnet es dann nicht mehr ohne Unterlass, sondern nur noch ab und zu, wenn auch etwas heftiger als am Vortag. Und immer häufiger scheint sich am Samstag der Himmel daran zu erinnern, dass Sommer ist. Als wolle er Wiedergutmachung leisten, erstrahlt plötzlich ein doppelter Regenbogen über der Bühne, auf der gerade „Crack Ignaz”, der selbst ernannte „König der Alpen”, in fast unverständlichem Salzburger Slang beweist, dass Gute-Laune-Rap auch über Landesgrenzen hinweg funktioniert.

Ob bei elektronischen Soulklängen von „James Vincent McMorrow”, romantischen Popballaden von „Oh Wonder” oder Südstaaten-Hip-Hop von „Denzel Curry”: Die Fans tanzen und feiern ausgelassen und unbeschwert – trotz Matsch und Regen. Die ersten beiden Festivaltage haben gezeigt, dass der Wille zur Party und die Liebe zur Musik beim Dockville nicht zu brechen sind. Das spüren auch die Künstler auf der Bühne.

Der norwegische Newcomer „dePresno” kannte das Hamburger Publikum zwar schon vom Reeperbahnfestival, das Dockville überraschte ihn trotzdem. „Hier sind die Leute so energiegeladen. Und sie bleiben auch dann mal stehen, wenn sie den Künstler nicht kennen, sind offen für Neues”, sagte der Songwriter nach seinem Auftritt.

Später mischt er sich selbst in die Menge, um den Auftritt des Künstlerkollegen „King Krule” live zu verfolgen. Der hatte zunächst als Geheimtipp gegolten, was sich anscheinend schnell herumsprach. Entsprechend voll war der Platz vor der verhältnismäßig kleinen Bühne. Am Ende ist der junge Brite vielen Neugierigen dann aber wohl zu laut und zu wütend. So zieht es viele von ihnen herüber zur Hauptbühne, dort schallt das künstlich verstärkte Echo des Headliners „Moderat” zu synthetischen Klängen in den Nachthimmel.

Zeitgleich gibt es mit dem Briten „Mura Masa” ein weiteres Festival-Highlight. Sich hier für einen der beiden Acts zu entscheiden, dürfte vielen Besuchern schwer gefallen sein. „Wir haben am Ende einfach eine Münze geworfen”, erzählt eine junge Frau. Auf der Bühne sorgt währenddessen Guest-Artist „Fliss” dafür, dass keiner der Zuhörer seine Entscheidung bereut. Die Newcomerin rappt, tanzt und singt mit unnachahmlicher Energie zu den Beats des britischen Erfolgsproduzenten. Die Stimmung ist so euphorisch, es könnte fast der Abschluss des dreitägigen Festivals sein. Am Sonntag waren noch zahlreiche Topacts angekündigt, wie etwa Mighty Oaks oder AnnenMayKantereit.