Feuerpause in Aleppo verpufft

Die humanitäre Situation in der umkämpften syrischen Stadt Aleppo wird nach Angaben der Vereinten Nationen immer dramatischer. «Die Zeit drängt», sagte der UN-Sondergesandte Staffan de Mistura in Genf.

Feuerpause in Aleppo verpufft
Str Feuerpause in Aleppo verpufft

Die Versorgung der leidgeprüften Bevölkerung sei völlig unzureichend. «Zivilisten von beiden Seiten sind in Gefahr», so de Mistura. Aleppo wird teils von Regimetruppen, teils von Rebellen kontrolliert. Die Kämpfe gingen trotz einer angekündigten Feuerpause auch am Donnerstag weiter.

Zuvor hatte Russland, einer der wichtigsten Verbündeten des syrischen Regimes, angekündigt, eine dreistündige Feuerpause einhalten zu wollen, damit Hilfslieferungen in die von den jahrelangen Kämpfen zerstörte Stadt gelangen können. Ein Sprecher des oppositionellen Verwaltungsrates in Aleppo sagte der dpa, dass es sich um reine Propaganda handele. «Die Kampfjets haben den Himmel über Aleppo nicht verlassen und auch der Artilleriebeschuss hat nicht aufgehört», sagte Brita Hagi Hassan.

Nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte gab es trotz der Feuerpause dutzende Luftschläge auf Rebellenstellungen im Südwesten der Stadt. Unklar war zunächst, ob syrische oder russische Kampfflugzeuge die Angriffe ausführten. Auch die Kämpfe am Boden seien weitergegangen. Es habe heftige Gefechte zwischen Regierungstruppen von Präsident Baschar al-Assad und Aufständischen gegeben, teilte die Beobachtungsstelle mit Sitz in England mit. Sie bekommt ihre Informationen von einem breiten Netzwerk an Informanten in Syrien.

In Aleppo arbeitende Ärzte baten in einem Brief an US-Präsident Barack Obama um Hilfe. «Wir brauchen keine Tränen, keine Sympathien oder Gebete. Wir brauchen Aktionen», schrieben sie in dem auf arabisch veröffentlichten Schreiben im Internet. Die UN forderten eine Feuerpause von 48 Stunden sowie sichere Korridore, damit Hilfsorganisationen Lieferungen nach Aleppo bringen können.

Auch in den anderen Kampfgebieten des Bürgerkriegslandes spitzt sich die Lage zu. Syriens Verbündeter Russland hat nach eigenen Angaben Ziele nahe der IS-Hochburg Al-Rakka ins Visier genommen. Sechs Bomber hätten mehrere Stützpunkte der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) attackiert, teilte das russische Verteidigungsministerium am Donnerstag mit. Menschenrechtsbeobachter und Ärzte in der Stadt sprachen von mindestens 25 Toten und 70 Verletzten.

Der russische Militärexperte Michail Chodarjonok sagte, Moskau bereite mit den Attacken möglicherweise einen massiven Angriff syrischer Regierungstruppen auf Al-Rakka vor. «Es wirkt so, als sollten vor einem Sturm der Stadt IS-Kräfte blockiert werden», sagte der frühere Vertreter des Generalstabs der Agentur Interfax zufolge. Auch die Türkei will sich nach der Aussöhnung mit Russland wieder mit Luftangriffen am internationalen Kampf gegen den IS beteiligen.