FIA plant Tempolimit in Gefahrenbereichen

Der Internationale Automobilverband plant nach dem schweren Formel-1-Unfall von Jules Bianchi ein Tempolimit in entsprechenden Gefahrensituationen und -bereichen.

FIA plant Tempolimit in Gefahrenbereichen
Valdrin Xhemaj FIA plant Tempolimit in Gefahrenbereichen

«Es ist wahrscheinlich besser, die Entscheidung, das Tempo zu verlangsamen, den Fahrern abzunehmen», sagte Rennleiter Charlie Whiting vom Internationalen Automobilverband FIA am Freitag bei einer Pressekonferenz in Sotschi. An diesem Samstag wollen sich die Verantwortlichen mit den Teamchefs über die Art und Weise der Umsetzung austauschen.

Die interne Untersuchung des Unfalls von Bianchi in Suzuka hat ergeben, dass nicht alle Fahrer ihr Tempo an der entsprechenden Stelle, wo doppelte Gelbflaggen herrschten, gleichermaßen verlangsamt hatten. Eine Runde vor Bianchi war dort Adrian Sutil von der Strecke abgekommen, sein Wagen hatte von einem Bergungskran aus der Gefahrenzone beseitigt werden müssen.

Mit welcher Gewichtigkeit Bianchi mit seinem Marussia unter das Heck des Krans raste, ist noch nicht sicher. Dazu seien erst noch weitere Untersuchungen unter anderem von GPS-Daten notwendig, erklärte Whiting.

Er rechnet nicht damit, dass bereits an diesem Wochenende beim ersten Großen Preis von Russland das Tempolimit eingeführt werden kann. Es seien in den Autos so viele Systeme integriert, «dass es schwer ist, dafür zu sorgen, dass sie auf allen Autos richtig funktionieren», sagte der langjährige FIA-Rennleiter. Er kündigte jedoch an, dass man bei Bergungsaktionen auf dem Kurs im Olympiapark mit extremer Vorsicht vorgehen werde.

Zum Thema geschlossenes Cockpit, das teilweise gefordert worden war, sagte Whiting, dass die Forschungen dazu weiterlaufen würden. Diese Cockpits seien zunächst aber vor allem zum Schutz gegen Räder gedacht, die sich an Autos gelöst hätten und zur Gefahr werden könnten. 2009 war Formel-2-Pilot Henry Surtees auf diese Weise ums Leben gekommen.

Den vorläufigen Bericht des Unfalls von Bianchi bekam am Freitag auch FIA-Präsident Jean Todt. Er reichte ihn an ein Expertengremium in der FIA weiter und erwartet nun deren Vorschläge zur weiteren Verbesserung der Sicherheit. «Wir dürfen nicht noch mal vor so seiner Situation stehen», betonte der Verbandschef, der den 25 Jahre alten Bianchi seit zehn Jahren kennt. «Als Mensch ist es für mich sehr hart. Es betrifft mich sehr», räumte Todt ein. «Jedes einzelne Leben ist wichtig, wir müssen das Äußerste leisten.»

Rennleiter Whiting betonte in der 75-minütigen Pressekonferenz auf dem Sotschi Autodrom, dass sämtliche Abläufe im Zusammenhang mit dem Unfall in Suzuka am vorigen Sonntag nicht besser hätten geregelt werden können. Auch das Verhalten des Streckenposten, der die Grünen Flaggen für freie Fahrt geschwenkt hatten, nachdem der Bergungskran mit Sutils Wagen am Haken hinter die entsprechende Linie gefahren war, sei richtig gewesen. Die FIA führte dazu auch nicht-veröffentlichte Bilder von den Streckenkameras vor, die die Abläufe der Unfälle von Sutil und Bianchi zeigten.

Die zuständigen Mediziner erklärten, dass der Transport per Krankenwagen statt Helikopter ebenfalls keinerlei negativen Einfluss auf den Zustand Bianchis gehabt habe. Der zeitliche Unterschied der beiden Transportmittel betrage etwa sieben Minuten.

Bianchi kämpft im Krankenhaus von Yokkaichi weiter um sein Leben. Der Zustand des Piloten ist stabil, aber kritisch. Er erlitt bei dem Unfall schwere Kopfverletzungen. Sein Marussia-Rennstall verzichtet bei der Formel-1-Premiere in Russland auf einen zweiten Wagen. Bianchis Fahrer-Kollegen zeigten sich in Sotschi noch immer sichtlich betroffen. Mit gemeinsamen Aktionen versuchen sie, dem Franzosen aus der Ferne beizustehen.